Kommentar

Das Internet wird für Hetze und Lügen missbraucht

Gerüchte in die Welt setzen, um damit Stimmung oder sogar Politik zu machen, haben derzeit Hochkonjunktur. Ein Flüchtlingshelfer in Berlin fingiert per Handy-Nachricht den Tod eines syrischen Flüchtlings und produziert Eilmeldungen und Aufregung. Ein Kommentar von Axel Grysczyk

Ein junger Politiker in Schwerin erfindet per Facebook-Eintrag einen rechtsradikalen Überfall auf sich, und seine Partei schlägt wegen des Überfalls Alarm. Eine freie Mitarbeiterin des WDR behauptet, sie müsse so berichten wie es die Regierung will und entschuldigt sich wenig später wieder dafür, weil sie gelogen hat. Und unangefochtener Spitzenreiter in der Falschmeldungs-Hitparade der vergangenen Tage: Eine angebliche Entführung einer 13-jährigen Deutsch-Russin, die sich ebenfalls nur als Internetbehauptung herausstellt, veranlasst Russlands Außenminister Sergej Lawrow zu deutlicher Kritik an Deutschland.

Der Vorteil: In der Regel werden die Behauptungen wenig später wieder gerade gerückt – auch durch die Internet-Gemeinde.

Fakt ist aber, dass die Glaubwürdigkeit der Verbreiter solcher Meldungen rapide abnimmt. Wenn es in dieser Dichte weitergeht, beschädigen Internet-User das Netz extrem. Schon jetzt hat sich Facebook genötigt gesehen, eine Abteilung zu installieren, die Hetzer-Kommentare löscht. Staaten wie China oder Saudi-Arabien zensieren das Internet schon vornherein. Wenn das Internet weiter für Hetze und Lügen missbraucht wird, werden Investoren bei ihrem Engagements vorsichtiger werden. Das Internet braucht ein Mindestmaß an kommunikativen Umgangsformen. Immer mehr Internet-User aus Deutschland scheitern daran.

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