Ex-Nationalspieler tippt auf Sieg der Deutschen

Dieter Müller im Interview zum WM-Finale

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Dieter Müller hatte zwölf Länderspieleinsätze. Legendär sein Auftritt bei der Fußball-Europameisterschaft 1976, als er als Debütant Torschützenkönig wurde und maßgeblich dazu beitrug, dass die DFB-Mannschaft ins Finale einzog. Außerdem nahm er 1978 an der Fußball-Weltmeisterschaft in Argentinien teil. Dort gelangen ihm gegen Mexiko und die Niederlande zwei Treffer.

Die deutsche Fußball-Nationalmannschaft ist reif für den Titel. Das denkt auch Ex-Nationalstürmer Dieter Müller. Wie stark er Argentinien einschätzt, ob es Parallelen zu 1990 gibt und wer ihm besonders imponiert hat, verrät er im EXTRA TIPP-Interview. Von Dirk Beutel 

Der unfassbare 7:1-Erfolg der deutschen Mannschaft gegen Gastgeber Brasilien geht in die Fußball-Geschichte ein. Aber wie konnte es zu so einer Demontage vor allem in der ersten Halbzeit kommen?

Die deutsche Mannschaft hatte einen klaren psychologen Vorteil. Was die Brasilianer mental für ein Kreuz zu tragen hatten war ja übermenschlich. Und unter diesem Druck waren sie einfach überfordert, die Last war einfach zu groß. Und unsere Jungs sind eben allesamt gute Spieler und haben das eiskalt ausgenutzt.

Wem werden die Brasilianer jetzt die Daumen drücken, oder ist für sie jetzt die WM gelaufen?

Ich kann das gar nicht so einschätzen. Natürlich herrscht zwischen Brasilien und Argentinien eine große Rivalität, aber so ein Endspiel ist immer eine besondere Situation, vor allem für die Brasilianer im eigenen Land. Ich glaube ein paar werden schon für uns sein.

Was sagen Sie zu Miroslavs Kloses WM-Tore-Rekord?

Das freut mich unheimlich für ihn. Er strahlt immer so eine Bescheidenheit aus, er ist nie abgehoben – das schätze ich sehr an ihm. Ich glaube, er genießt diesen Rekord für sich im Stillen.

Der einzige der ihm den Rekord wieder abjagen könnte ist Thomas Müller, der schon jetzt bei zehn WM-Toren steht.

Bis dahin kann noch viel passieren. Thomas Müller hat Durchsetzungsvermögen und einen unheimlich starken Willen, das in Kombination mit seiner Konterstärke macht ihn ja so gefährlich. Und dabei ist kommt er trotzdem immer locker rüber.

Was macht die Stärke der deutschen Elf aus? Ist es die Klasse der einzelnen Spieler oder die taktische Vorgabe?

Wichtig war, dass die deutsche Elf gleich gut in dieses Turnier gestartet ist, wie das gegen Portugal der Fall war. Joachim Löw macht außerdem einen guten Job, seine Jungs sind alle vorbereitet, auf den Punkt alle fit geworden, der Teamgeist stimmt und er hat den wohl besten Torhüter der Welt zurzeit in seiner Mannschaft. Ich glaube, diese Mosaiksteinchen zusammengefügt, macht die deutsche Mannschaft so stark.

Am Sonntag kommt es zum Finale Deutschland gegen Argentinien, die Wiederauflage von 1986 und 1990. Worin unterscheidet sich Jogi Löws Mannschaft zu der Truppe von Franz Beckenbauer?

Ich war ja damals selbst im Stadion in Rom. Das war schon ein müder Kick, kann ich mich erinnern. Wir haben glücklich einen Elfmeter bekommen, den Andreas Brehme dann verwandelt hat, aber das hätte durchaus auch anders ausgehen können. Jetzt haben wir eine gute Mischung aus jungen und erfahrenen Spielern in der Mannschaft, darunter auch einige, für die es möglicherweise die letzte Chance sein wird, den Weltmeistertitel zu bekommen. Ich denke da an Bastian Schweinsteiger oder Philipp Lahm.

Gibt es einen Spieler, der Ihnen im gesamten Verlauf des Turniers imponiert hat?

Manuel Neuer hat mir imponiert – keine Frage – und Toni Kroos. Den fand ich immer schon super klasse. Jetzt hat er sich und seine guten Leistungen auch mit zwei Toren gegen Brasilien belohnt. Und natürlich Mats Hummels.

Wie stark sehen Sie den Final-Gegner Argentinien?

Das wird ein ganz anderes Spiel für die deutsche Mannschaft als gegen Brasilien. Das ist ganz klar, und das wissen sie auch. Argentinien leistet gute Defensivarbeit und hat mit Lionel Messi einen Mann auf dem Platz, der geniale Pässe spielt. Klar, er hat mal Pausen drin, so dass er sich fast völlig aus dem Spiel herausnimmt. Gegen die Niederlande hat man das teilweise gesehen. Trotzdem ist er immer gefährlich, weil er alleine ein Spiel entscheiden kann. Wenn es der deutschen Mannschaft gelingt, ihn in Schach zu halten, sollte einem Sieg eigentlich nichts im Weg stehen. Vor allem wenn man die Leistung gegen die Niederlande gesehen hat, das war relativ dünn. Deutschland geht als Favorit in in diese Begegnung.

Wie lautet Ihr Tipp fürs Finale?

Ich sage, Deutschland siegt mit 2:0.

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