Ex-Mühlheimer Autor Helmut Flender schreibt Krimi-Debut

Menschliche Abgründe im Frankfurter Terror-Krimi

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Der Ex-Mühlheimer Helmut Flender hat einen Frankfurt-Krimi geschrieben.

Region Rhein-Main - Über das brandaktuelle Thema Terrorismus hat der Ex-Mühlheimer Helmut Flender den Krimi „Todesgrüße nach Frankfurt“ geschrieben. Vor allem aber räumt der Autor in seinem Buch mit Schubladendenken und Vorurteilen auf. Von Janine Drusche

Als skurril beschreibt er selbst seine Geschichten. Die Figuren in seinen Büchern zeigen menschliche Abgründe auf. Helmut Flender schreibt Geschichten und Utopien, die zwischen Licht und Schatten liegen – und das Absurde ins Blickfeld nehmen. In seinem neuen Krimi „Todesgrüße nach Frankfurt“, erschienen am 22. Februar, erzählt der Autor von einem Anschlag auf einen Bus in der Nähe Frankfurts.

Dabei sterben Lehrer, Busfahrer und Kinder. Vorrangig handelt der Krimi aber vom Umgang der Polizei und Medien mit der Aufklärung des Falls: Es waren bestimmt Terroristen, vielleicht steckt sogar der Islamische Staat dahinter – das sind die ersten Gedanken der Ermittler, die schnell zu kaum begründeten Mutmaßungen werden. Vorurteile und Schubladendenken stehen im Vordergrund der Story um viele Tote und die Journalistin Eva Maler, die schon zum zweiten Mal in einem Werk von Flender die Hauptrolle übernimmt. Bereits in dem Thriller „Die Oberfläche und das Menschenmeer“ (2012) spielt die beziehungsgeschädigte Eigenbrötlerin eine tragende Rolle. In „Todesgrüße nach Frankfurt“ ist die Reporterin jünger als im Werk zuvor. Aus Sicht der etwa 30-jährigen Frau zu schreiben sei besonders spannend für Flender gewesen: „Sie ist eine positive Figur, komplex und hat viele Problemchen“, sagt der 46-Jährige. „Sie versucht immer, mehr oder weniger das Richtige zu tun und aufzuklären“ – während andere Figuren sich von Stereotypen beirren lassen. Die Sicht Eva Malers ist als einzige in der Ich-Perspektive geschrieben. „Ich nutze gerne verschiedene Blickwinkel und Zeiten beim Schreiben, so bekommt man bessere Einblicke“, sagt der Autor.

Gefährliche Vorurteile

Flender befasst sich mit der aktuellen Frage, was der herrschende Terror und die Angst davor mit den Menschen machen. Vorschnelle Reaktionen der Figuren zeigen, zu welch verheerenden Prozessen Vorurteile führen können und wie daraus „viel zu schnell ein Geduldspiel mit gängigen Mustern der Täuschung werden kann“. Acht Wochen hat Flender, der jahrelang in Mühlheim gelebt und in Offenbach als Lehrer gearbeitet hat, an seinem ersten Kriminalroman geschrieben.

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„Das Schreiben ist für mich eine Art Abschalten“, sagt der Autor. „Ich kann innerhalb von fünf Minuten abtauchen – das ist besser als Fernsehen.“ Inspirieren lässt sich der Schriftsteller von allem, was er mag und schätzt: „Man muss von etwas bewegt worden sein, dann fließt es von allein.“ Es ginge beim Schreiben um Emotionen. „Zu schreiben ist keine rationale Entscheidung. Eher ein Muss“, sagt Flender.

Grauzone zwischen dem Guten und dem Schlechten

Neben seinem Beruf als Gymnasiallehrer ist das Schreiben ihm sehr wichtig. „Es ist etwas, das mir Freude macht. Und es hilft, sich selbst und das Leben zu strukturieren“, sagt er. Man könne dabei die dunklen Facetten rauslassen, denn: „Es gibt nicht nur Böse, Schwarz oder Weiß, dagegen verwehre ich mich.“

Eben diese Grauzone zwischen dem Guten und dem Schlechten aufzuzeigen gelingt dem Vater von zwei Kindern im Krimi bestens. „Wenn ich es schaffe, mit meinem Buch ein paar Leute zum Nachdenken zu animieren, dann finde ich das ideal. Denn Schnellschüsse sind das eigentliche Problem beim Terror. Im Vordergrund stehen aber die Unterhaltung und der Spaß beim Lesen“, sagt der Autor.

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