Ex-Banker schafft Mehrwert mit Hypnose

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Vom Investmentbanker zum Hypnotiseur: Markus Lehnert hat sein eigenes System geschaffen.

Region Rhein-Main – Früher hätte Markus Lehnert für die Occupy-Bewegung nur ein müdes Lächeln übrig gehabt. 15-Stunden-Tage riss der Frankfurter einst im Investmentbanking runter. „Ein planbares Privatleben ist unmöglich, Geld wird zum Lebensinhalt“, sagt der 38-Jährige. Heute betreibt er eine Hypnosepraxis. Von Jens Dörr

"Ich freue mich, jeden Tag etwas zu tun, was mir Spaß und in meinen Augen Sinn macht, anderen Leuten hilft und daher Wert schafft“, erzählt ein aufgeräumter Markus Lehnert heute. Dass er durchaus – auch wegen finanzieller Beutelung durch seine Scheidung – nicht habe sorglos ins neue berufliche Leben starten können, gerät zur Nebensache, wenn er auf seine traurige Zeit als Banker zurückblickt.

Auf der Hierarchieebene, die Lehnert irgendwann erklomm, ging es hart zur Sache: „Ständig stand man auf Abruf bereit. Auf diese Arbeitszeiten und Arbeitsbedingungen herunter gebrochen sind die vermeintlichen Spitzengehälter doch nur oberes Mittelfeld“, sagt er. Kein Banker aus dem Bereich Mergers & Acquisitions mache seinen Beruf aus Passion. „Fast alle sind nur vom großen Geld getrieben, das einem immer wieder in Aussicht gestellt wird. Viele Banker, die ich kenne, veränderten ihre Persönlichkeit zum Negativen, sind nur mehr auf das Geld und Statussymbole fixiert gewesen.“ Alles scheine dann käuflich zu sein, Geld werde zum Maßstab für alles, kritisiert Lehnert ein System, dessen Bestandteil er zwölf Jahre lang war, ehe er im Oktober 2011 nicht mehr wollte.

Einhergegangen mit der teils unmenschlichen Belastung sei bei den Kollegen „Überheblichkeit sowie eine Minderschätzung anderer“. Die Sinnfrage habe aber kaum einer gestellt, sobald mit dem Bonusscheck gewunken worden sei. Auch Schlüsselerlebnisse regten Lehnert zum Umdenken an: „So zum Beispiel, als ich aufgrund einer dringenden familiären Angelegenheit an einem Wochenende zuhause sein musste. Am Sonntagnachmittag erhielt ich einen Anruf meines Vorgesetzten, der mir mitteilte, dass ich mich umgehend im Büro einzufinden hätte, wissend um meine private Situation. Als ich zwei Stunden später ins Büro eilte, musste ich lernen, dass meine dringende Anwesenheit nur deshalb so wichtig war, weil mein Vorgesetzter seine Kinokarten nicht verfallen lassen wollte. Spätestens zu diesem Zeitpunkt wurde mir bewusst, dass ich in dieser respektlosen Umgebung nicht weiter arbeiten wollte.“ Lehnert hat den Eindruck, dass sich generell die Einstellung der Menschen zum Leben zunehmend verändert und verloren gegangene Werte wieder an Bedeutung gewinnen. „Ich glaube einfach, dass ich hier nur einer unter vielen bin, der im bisherigen System nicht mehr weiterhin funktionieren möchte“, meint er.

Markus Lehnert funktioniert mittlerweile in seinem eigenen System, hat wieder das Gefühl, mit seinen Hypnosekünsten „Mehrwert“ zu schaffen. Der Frankfurter setzt sie etwa zur Raucherentwöhnung und Gewichtsreduktion ein, aber auch in weniger klassischen Feldern wie der Rückführung und der Suche nach Seelenführern und Seelenverwandten.

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