Auschwitz überlebt und in Dornbusch eine neue Heimat gefunden

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Eva Szepesi mit ihrem Buch „Ein Mädchen allein auf der Flucht“.

Frankfurt – 50 Jahre hat Eva Szepesi geschwiegen. Erst 1995 erzählte sie die Geschichte ihrer Kindheit. Die gebürtige Ungarin hat das Konzentrationslager Auschwitz überlebt. Jetzt hat sie ein Buch über ihre Erlebnisse geschrieben. Von Julia Renner

Zum 50. Jahrestag der Befreiung von Auschwitz war Eva Szepesi wieder an dem Ort, an dem fast ihre ganze Familie starb. Bis zu diesem Gedenktag hatte sie ihre Gefangenschaft in dem KZ immer verdrängt. Während des Aufenthalts in Polen 1995 brach sie dann ihr Schweigen. „Ich wurde angesprochen, dass ich doch etwas von der Zeit im Konzentrationslager erzählen sollte“, sagt sie. Erst habe sie nicht gewollt, doch dann brach es aus Eva Szepesi heraus. Sie erzählte von der Flucht mit ihrer Tante von Ungarn in die Slowakei, von den gefälschten Papieren, die ihre Mutter dafür besorgt hatte und von der Hoffnung, ihre Mutter und ihren Bruder bald wiederzusehen.

Dass es dazu nie mehr kommen sollte, wusste die damals Elfjährige nicht. Zeitversetzt wurde ihre Familie von Ungarn aus nach Auschwitz gebracht. „Am 2. November 1944 bin ich in Auschwitz angekommen.“ Da war ihre Familie längst tot. Im Januar 1945 befreite die Rote Armee das Lager, Eva Szepesi war frei.

Ein Leben ohne Mutter

Monatelang wurde sie schließlich aufgepäppelt, „weil ich krank und dünn war“. Als sie endlich reisen konnte, machte sie sich auf den Weg in ihre Heimat. Hoffte auf ein Wiedersehen mit der Mutter. Ein Onkel und eine Tante erwarteten sie – mit der Nachricht, dass sie ohne ihre engsten Verwandten aufwachsen müsse. „Ich konnte mich nicht einmal richtig verabschieden, als ich damals in die Slowakei geflüchtet bin.“

Sie blieb bei Onkel und Tante und heiratete 1951 den Ungarn Andor. Die älteste Tochter Judith kam 1953 zur Welt. Aus beruflichen Gründen wurde ihr Mann nach Frankfurt geschickt, Eva und Judith gingen mit – und die kleine Familie blieb schließlich.

Dornbusch mehr Heimat als jede andere Stadt

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Seit fast 40 Jahren lebt die 78-Jährige nun in Dornbusch. Dort kam 1961 auch die jüngste Tochter Anita zur Welt. In dem Frankfurter Stadtteil fühlt sie sich wohl. „Es ist nicht so anonym. Ich gehöre einfach hierher“, sagt sie. Aber ist es mittlerweile auch Heimat? „Eigentlich habe ich keine richtige Heimat“, sagt Eva Szepesi nachdenklich. „Aber Dornbusch ist definitiv mehr Heimat für mich als Ungarn.“

Ihr Buch „Ein Mädchen allein auf der Flucht“ ist im Metropol-Verlag erschienen.

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