Der Retter in letzter Sekunde

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Wenn er die Zeit findet, zieht sich Jürgen Euler gerne mal mit einem guten Buch zurück.

Steinbach – Jürgen Euler will eigentlich keinen großen Rummel um seine Person machen. Wenn der bescheiden wirkende 62-Jährige allerdings nicht für den Vorsitz von Blau-Gold Steinbach kandidiert hätte, würde es den Verein heute wohl nicht mehr geben. Von Dirk Beutel

Rückblick: Eine Verkettung unglücklicher Umstände brachte den Tanzverein Blau-Gold Steinbach immer weiter in Bedrängnis. Angefangen hat es, als vor fast drei Jahren ihr Domizil, die Turnhalle der Steinbacher Grundschule, abgerissen wurde. In dieser langen Zeit mussten sich sowohl die Turnier- als auch die Hobbytänzer aufsplitten und auswärts tanzen. Es wurden Ersatzorte in Weißkirchen und Stierstadt gefunden, allerdings gegen Mietzahlungen. Zusätzliche Kosten, die den Verein finanziell in Turbulenzen führten: Im vergangenen Jahr rutschten die Tänzer auf ein Minus von 5000 Euro. Der nächste Nackenschlag ließ nicht lange auf sich warten. Heinz Annussek, seit 14 Jahren der Vereinsvorsitzende, gab Ende Februar überraschend seinen Amtsrücktritt bekannt. Der Verein stand am Scheideweg.

Bei einer kurz darauf folgenden Mitgliederversammlung wurde bereits nach einem dringend benötigten Nachfolger gesucht – jedoch ohne eine Spur des Erfolgs. Laut Vereinsrecht wäre der Klub ohne einen Vorsitzenden nicht mehr handlungsfähig. Er müsste aufgelöst werden. Für Jürgen Euler, selbst erst etwas über ein Jahr Mitglied im Verein, war dieses Amt zunächst überhaupt kein Thema. Er war von seiner Frau zu einem Schnupperkurs überredet worden, aus dem sich eine Mitgliedschaft und ein dauerhaftes Engagement entwickelte.

Am gleichen Tag hätte sich der Verein aufgelöst

Aber gleich in den Vorstand? Eulers Frau sah das etwas anders. Für sie und die langjährige Blau-Gold-Sport- und Jugendwartin Rita Ruhland war er „genau der Richtige für den Job“. Daraufhin besuchte der 62-Jährige zunächst eine Vorstandssitzung, um sich selbst ein Bild von den Beteiligten zu machen: „Die Stimmung war trotz der Situation sehr gut“, sagt Euler. Für ihn war dies die Basis seines Entschlusses nun doch für den Vereinsvorsitz zu kandidieren. Womit er letztlich den Verein rettete.

Damit hätte er auch nicht länger warten können. Denn wäre er bei der außerordentlichen Mitgliederversammlung am 30. April nicht angetreten, hätte sich der Verein tatsächlich am gleichen Tag aufgelöst. Doch es kam alles anders: Jürgen Euler wurde zunächst für die nächsten zwei Jahre einstimmig gewählt. Der gelernte Jurist kann sich sogar vorstellen, dieses Amt über diese Zeit hinaus zu erfüllen. Auch wenn er nicht mehr aktiv tanzen würde: „Warum auch nicht? Tanzen und Vorstandsarbeit sind ja nicht aneinander gekoppelt.“ Jürgen Euler ist im Ruhestand, setzt sich aber über seinen Tanzverein hinaus ehrenamtlich ein. Neben seiner Arbeit für die AG60plus, hilft er beim Aufbau des Weihnachtsmarktes. Außerdem ist er ehrenamtlicher Richter am Landesarbeitsgericht in Frankfurt. Euler: „Ich finde es wichtig, dass man sich als Teil einer Gemeinde für andere einbringt. Auch wenn es kleinere Dinge sind“.

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