Der Schuldenwegmacher

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Viele haben Berührungsängste, einen Schuldnerberater aufzusuchen.

Region Rhein-Main – Er selbst bezeichnet sich als Schuldenwegmacher. Matthias Klusmann sorgt dafür, dass der Gerichtsvollzieher am besten gar nicht auftaucht und Schuldner erst gar nicht in die Insolvenz gehen müssen. Von Dirk Beutel

Unter seinen Kunden findet sich die ganze Palette der Gesellschaft, alle Schichten, jedes Alter, Privatpersonen, Selbstständige: Junge Erwachsene, die ihren Handyvertrag nicht mehr bezahlen können, Familien, deren Haus vor der Zwangsversteigerung steht oder auch der Verdränger-Typ, der über Jahre hinweg einen Millionenbetrag an Schulden angehäuft hat. Matthias Klusmann arbeitet in einer intimen Branche. Er ist zwar weder Arzt noch Anwalt, trotzdem müssen seine Mandanten vor ihm die Hosen runterlassen. Klusmann ist Schuldnerberater bei der Schuldnerhilfe Hessen.

Geldbeutel am Limit

Es fängt alles damit an, dass man sich entblößt und zugibt, ein Schuldner zu sein. Hat man diesen Schritt gemacht, braucht der Berater alle Details über die Forderungen, die an seinen Mandanten gestellt werden. 9,4 Prozent aller Deutschen seien verschuldet. Nach Angaben der Auskunftei Creditreform ist die Zahl der Schuldner in Offenbach 2011 im Vergleich zum Vorjahr auf etwa 23.190 Betroffene angestiegen.

Arbeitslosigkeit, Trennung und Krankheit sind die häufigsten Gründe, warum Menschen überhaupt in die Schuldenfalle tappen. Vor allem, wenn sie vorher schon am Limit gelebt haben. Die persönlichen und privaten Einzelheiten, warum einer seiner Mandanten in diese Misere getappt ist, sind Klusmann egal. Er konzentriert sich nur auf das Wesentliche: Die Schulden aus der Welt zu schaffen.

Dafür muss er allerdings alle Forderungen auf dem Tisch haben. Es nutzt nichts, wenn der Klient nicht vollkommen ehrlich alles offenbart. Wieso Menschen überhaupt Scham empfinden, die Hilfe eines Schuldnerberater in Anspruch zu nehmen, kann Klusmann nicht nachvollziehen: „Sie gehen doch auch zum Arzt oder zum Anwalt, der sich um ihre persönlichen Probleme kümmern soll“, sagt der Berater.

Viele Scharlatane unter den Schuldnerberatern

Für seine Mandanten kennt Klusmann nur ein Ziel: Die Insolvenz vermeiden. Denn steckt man erstmal dort drin, überwacht ein Treuhänder den Mandanten sechs Jahre lang, dazu kommt das zeitaufwendige Gerichtsverfahren.

Weil Menschen, die im Schuldensumpf stecken, meist nach jedem Strohhalm greifen, der Hilfe bedeuten könnte, haben sich auf dem Markt immer mehr schwarze Schafe breitgemacht. Klusmann: „Es gibt tatsächlich mehr Scharlatane, als seriöse Anbieter.“ Meist erkennt man unseriöse Anbieter dadurch, dass von Beginn an Geld fließen soll – auch dann, wenn noch gar keine Leistung erbracht wurde. Sogar Kredite werden den finanziell ohnehin schon am Boden liegenden Schuldnern schmackhaft gemacht. Auch Anwälte sind in der Regel nicht die richtigen Ansprechpartner, wenn es um Schulden geht. „Die wenigsten kennen sich in dieser rechtlichen Sparte aus“, sagt Klusmann. Er strebt in der Regel ein außergerichtliches Verfahren an, in dem er sich mit den Gläubigerparteien einigt. Zuvor bietet er den Schuldnern aber immer ein kostenloses Beratungsgespräch an.

"Ich bin kein Peter Zwegat"

Mit der Methode von Peter Zwegat, dem Schuldnerberater aus dem Fernsehen, hat das aber nichts zu tun. „Ich fahre zu keiner Bank und verhandele über Kredite. Oder rechne den Mandanten ihre Einnahmen- und Ausgabenseite an einem Flipchart vor“, sagt Klusmann.

Wer in einer finanziellen Klemme steckt und sich kostenlos zu seinen Schulden beraten lassen möchte, erreicht Matthias Klusmann unter Telefon (06106) 2684412.

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