Was macht die Schildkröte im Heimatmuseum?

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Birgit Wende, Norbert Schäfer (Mitte) und Karl-Heinz Münch zeigen die Exponate aus der Zeit, als Niederrad noch das Dorf der Wäscherinnen und Wäscher war.

Frankfurt – Eine riesengroße Schildkröte liegt auf der restaurierten Kommode, gleich am Eingang vom Niederräder Heimatmuseum. Es ist das neueste Exponat in der Sammlung. Was sie mit dem historischen Niederrad zu tun hat, erklären Karl-Heinz Münch, Birgit Wende und Norbert Schäfer vom Bezirksverein Niederrad. Von Norman Körtge.

Ei gude wie“ – wenn Norbert Schäfer etwas in Niederrad vermisst, dann ist es diese traditionelle Begrüßung auf der Straße. „Das höre ich heute kaum noch“, erzählt der 75-Jährige und lacht übers ganze Gesicht. Denn wirklich ernst meint er es nicht.

Fünf Kinos in Niederrad

Wohl aber, dass die Geschichte des Stadtteiles in Erinnerung bleibt. Denn nur die wenigsten in Niederrad – das 1900 nach Frankfurt eingemeindet wurde – können sich noch daran erinnern, dass es einmal 16

Schildkröten wie Oskar wurden in der ehemaligen Lacroix-Fabrik in Niederrad zu Suppe verarbeitet und in Dosen abgefüllt. Die beiden Exponaten sind im Heimatmuseum zu sehen.

Gesangsvereine und fünf Kinos gab. Zu denen, die es noch wissen, gehört auch Schäfers Schulkamerad Karl-Heinz Münch, der stellvertretende Vorsitzende des Bezirksvereins Niederrad ist. Jener Verein, der 1900 gegründet worden war, um zu kontrollieren, ob die Stadt Frankfurt alle bei der Eingemeindung gemachten Versprechen auch einhält. Eine Funktion, die erst durch die Einrichtung der Ortsbeiräte abgegeben wurde. Jetzt heißt es die Tradition zu bewahren. „Niederrad war das Wäscherdorf“, erzählt Münch. Das weiche Wasser der Bäche sei dazu ideal gewesen. Und so ist auch eine ganze Ecke im 2006 eröffneten Heimatmuseum an der Schwanheimer Straße 17, diesem Gewerbe gewidmet. „Hier ein Waschbrett ohne Bauch“, sagt Birgit Wende und lacht. Auch sie ist eine waschechte Niederräderin, aber eine Generation jünger wie Münch und Schäfer. Aber auch sie, die vieles nur noch vom Hörensagen kennt, schaut sich gerne die historischen Fotos an, von denen jedes Jahr zwölf in einem Kalender erscheinen. „Wir freuen uns immer über alte Fotos, die wir einscannen können“, wirbt Wende.

Schildkrötensuppe aus Niederrad

Das neueste Exponat in der Sammlung.

Eine dieser Fotoaufnahmen lässt ihr einen kalten Schauer über den Rücken laufen. Es zeigt auf den Rücken gedrehte Schildkröten auf dem Firmengelände von Lacroix. „So konnten die Tiere nicht weglaufen“, erklärt sie. Denn die Schildkrötensuppe gehörte seinerzeit zu den Delikatessen des Unternehmens. „Heute alles undenkbar“, kommentiert Wende. 1996 wurde das Werk geschlossen, die Schildkrötensuppen-Produktion schon in den frühen achtziger Jahren aufgegeben. Aus dieser früheren Zeit stammt wohl auch „Oskar“. So hat Norbert Schäfer die präparierte Schildkröte genannt, die erst seit kurzem im Museum zu sehen ist. Sie stammt aus dem Nachlass eines ehemaligen Kochs. Das Heimatmusem Niederad, Schwanheimer Straße 17, ist jeweils dienstags 14 bis 17 Uhr und am zweiten Sonntag im Monat von 14 bis 17 Uhr geöffnet. Also auch am heutigen 9. September. Zu sehen ist derzeit eine Ausstellung mit Fotos vom Stadion und der Rennbahn.

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