Dramen in der Straßenbahnwerkstatt

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Das Bockenheimer Depot.

Bockenheim – Früher war es Frankfurts größte Straßenbahnwerkstatt, heute zählt das Bockenheimer Depot zu einem der letzten kulturellen Zeugnisse des Stadtteils und zu den schönsten Locations in Frankfurts bester Lage.

Betriebsleiterin Heide Günther kennt jeden Winkel im Bockenheimer Depot. Seit über 17 Jahren arbeitet sie vor Ort.

Könnten die Holzlatten im Bockenheimer Depot sprechen, sie hätten viel zu erzählen, denn das alte Gebäude kann auf eine bewegte Geschichte zurückblicken. Das Kulturdenkmal wurde 1900 gebaut und war ursprünglich mal ein Betriebshof und die einstige Hauptwerkstatt der Frankfurter Straßenbahn. Heute spielen sich darin die ganz großen Dramen ab, da das Depot als Spielstätte der städtischen Bühnen genutzt wird. Auch Messen oder Konzerte finden in der 2300 Quadratmeter großen Halle statt.
„Das ist ein multifunktionales Gebäude“, sagt Architekt Christian Mohr von HGP Architekten, die für den Umbau zuständig sind. „Der alte Industriebau besticht schon alleine durch seine beeindruckende Architektur. Vor allem durch den basilikalen Charakter. Bemerkenswert ist auch die hölzerne Dachkonstruktion aus halbkreisförmigen Bogenbindern, die auf den französischen Renaissance-Baumeister Philibert Delorme zurückgeht und in dieser Form nur noch in wenigen erhaltenen Bauten vorkommt. Die Holzkonstruktion ist ein Vorläufer des Holz-Leim-Baus“, so Architekt Mohr.

Aus dem Stadtbild nicht wegzudenken

Innenansicht der Location in Bockenheim.

Auch die Bockenheimer mögen das über 100 Jahre alte Gebäude. Für sie gehört es zum Stadtbild. Zudem gilt das Kulturdenkmal als eines der letzten Zeugnisse des alten Frankfurter Stadtteils. Neues Leben hauchte dem Haus allerdings erst das Schauspiel Frankfurt ein. Nach dem Brand des Opernhauses 1987 brauchten die Schauspieler dringend eine Ausweich-Bühne. So wurde das Depot in ein Theater umgebaut und dient seitdem als Kulturstätte.

Ganz große Namen der Showbranche

Ob berühmte Schauspieler wie Johannes Heesters, Hannelore Elsner, Claus Theo Gärtner oder Bands wie Bush und Green Day – alle waren sie schon in den Garderoben und der Maske im Bockenheimer Depot. „Wir sind 365 Tage im Jahr ausgebucht, denn für die Schauspieler ist es eine besondere Spielstätte und auch die Bevölkerung nimmt das Depot gut an“, freut sich Betriebsleiterin Heide Günther. Seit 17 Jahren arbeitet sie im Bockenheimer Depot und kümmert sich um die Verwaltung, die Vermietung und die Akquise im Haus. Zurzeit hat sie allerdings eine große Baustelle an ihrem Arbeitsplatz. „Wir unterkellern gerade das Gebäude und bekommen einen neuen Eingangsbereich“, erklärt Günther. „Im Sommer herrschte hier so große Hitze, also kriegen wir jetzt eine Klimaanlage und eine neue Lüftung.“ Bis Ende Februar muss der Baustaub aber weg sein, denn dann probt schon die nächste Schauspiel-Truppe im Bockenheimer Depot.

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