Esperanto: Eine einzige Sprache für die Menschen in aller Welt

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Bernhard Westerhoff spricht fließend Esperanto. Das Buch, das er in Händen hält, hat er vom Englischen in Esperanto übersetzt.

Hofheim – Ob jemand aus Spanien, Polen, China, Australien oder Kanada kommt, spielt für Bernhard Westerhoff keine Rolle. Er kann sich problemlos mit allen in Esperanto verständigen. Auf der ganzen Welt gibt es Gruppen, die diese künstliche Sprache sprechen. Von Julia Renner

Schon Mitte der 80er Jahre hat Bernhard Westerhoff Esperanto für sich entdeckt. Damals studierte er in Bielefeld in Nordrhein-Westfalen. Die Neugierde trieb den Studenten Westerhoff zum Vortrag eines Esperanto-Experten. Heute ist er selbst Experte, spricht fließend Esperanto, übersetzt sogar Bücher vom Englischen in die bekannte Plansprache, die in diesem Jahr 125 Jahre alt wird.

Schwierig zu lernen sei die Sprache nicht, versichert Bernhard Westerhoff. „Es gibt zwar ein paar grammatikalische Eigenheiten, aber man lernt Esperanto fünf bis zehn Mal schneller als andere Sprachen“, sagt der 49-Jährige. Wie viele Menschen weltweit Esperanto sprechen, darüber gibt es unterschiedliche Schätzungen. Mehrere hundert tausend Menschen sind es auf jeden Fall, manche Schätzungen gehen sogar von mehreren Millionen Sprechern aus.

Ludwik Lejzer Zamenhof aus Polen dachte sich die Sprache aus und machte sie 1887 bekannt. Er hatte den Gedanken, so sagt Westerhoff, eine Zweitsprache für alle Menschen zu entwickeln. Denn Frieden könne nur herrschen, wenn auch die Verständigung zwischen allen Menschen funktioniere. Einen ähnlichen Gedanken hatte Baha'u'llah, der Stifter der Religion Bahá‘í. Heute sind der Glaube und die Sprache eng verknüpft. Auch der Hofheimer Westerhoff ist Anhänger der Religion Bahá‘í.

Doch es sind bei weitem nicht nur Anhänger dieser Glaubensgemeinschaft, die Esperanto sprechen. So gibt es zahlreiche Radiosender, die in Esperanto senden, Rockbands, außerdem Zeitschriften und Zeitungen, ein Musik-Label und unzählige Bücher, die in der Plansprache verfasst sind.

Das Ziel, Esperanto als Zweitsprache für jeden Menschen zu etablieren, ist allerdings nicht erreicht. Als gescheitert sieht Bernhard Westerhoff die Idee trotzdem nicht. „Wir glauben, dass die Zeit noch nicht gekommen ist.“

Für ihn selbst ist Esperanto längst zur Zweitsprache geworden, auch seine Frau, eine gebürtige Chinesin, spricht die Plansprache, sein Sohn kann sie zumindest verstehen. „Ich fühle mich in Esperanto sicherer als in Englisch“, sagt Bernhard Westerhoff und fügt lächelnd hinzu: „Manchmal führe ich sogar Selbstgespräche in Esperanto.“

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