„Das kann noch sehr hässlich werden“

Erzieher setzen bei längerem Streik auf die Eltern 

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Wohin mit dem Kind, wenn die Erzieher möglicherweise über mehrere Tage streiken und die Kita zu ist? Verbände raten betroffenen Eltern sich schon jetzt um Notunterkünfte zu kümmern.

Region Rhein-Main – Erzieher haben für eine Aufwertung ihres Berufs und höhere Löhne einen Tag lang gestreikt. Wenn es zu keiner Einigung kommt, droht ein weitaus längerer Arbeitskampf, an dem sich betroffene Eltern beteiligen sollen. Von Dirk Beutel 

Sie umsorgen fremde Kinder wie ihre eigenen, trotz ohrenbetäubenden Lärms bewahren sie die Fassung, fördern und hüten den Nachwuchs berufstätiger Eltern. Die Belastung ist enorm, die Ausbildung dauert bis zu fünf Jahre, der Lohn ist aber gering. Kein Wunder also, dass es der Branche am Nachwuchs mangelt und Erzieher am vergangenen Mittwoch bei einem Warnstreik auf ihre Situation aufmerksam machten. Deshalb blieben viele Kitas geschlossen.

Warnstreik ging noch glimpflich aus

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Darauf konnten sich betroffene Eltern und Alleinerziehende noch einstellen. Was aber, wenn die Verhandlungen zwischen den Beschäftigten des Sozial- und Erziehungsdienstes und dem Verbands der kommunalen Arbeitgeber (VKA) scheitern und sich nichts an der Situation der Erzieher ändert?
„Dann kann das noch sehr hässlich werden, wenn Kitas mehrere Tage geschlossen werden“, sagt Ute Fritzel, Sprecherin des Verdi-Landesbezirks Hessen. Der Warnstreik am Mittwoch sei noch harmlos verlaufen. Viele Eltern wurden vorab informiert, außerdem sind noch Ferien in Hessen.

Betroffene solidarisieren sich mit den Erziehern

Trotzdem: Selbst wenn die Streiks intensiver und über mehrere Tage andauern sollten, stehen zahlreiche Betroffene hinter den frustrierten Erziehern: „Ich würde mir ein Bein ausreißen, wenn damit die Erzieher ihr Ziel erreichen und mehr Geld bekommen“, sagt Friederike Fritz, alleinerziehende Mutter aus Frankfurt-Höchst. „Für die hohe Verantwortung, die die Erzieher übernehmen, muss deren Stellung aufgewertet werden. Selbst wenn es nicht nur bei einem Warnstreik bliebe, verteidigt die Frankfurterin die Kita-Beschäftigen: „Eltern sollten sich für diese Tage frei nehmen, damit auch deren Arbeitgeber spüren, wie wichtig Kinderbetreuung ist.“

Eltern sollen mitstreiken und Netzwerke errichten

Ähnlich sieht es der Verband alleinerziehender Mütter und Väter in Frankfurt: „Wir fordern, dass die kommunalen Einrichtungen Notplätze bereitstellen müssen, für diejenigen Eltern, die auf keine anderen Betreuungsmöglichkeiten zurückgreifen können. Sollten die Streiks solche Ausmaße annehmen wie bei den Piloten, sollten auch die Eltern protestieren und auf die Arbeitgeber einwirken“, sagt deren Sprecherin Gabi Bues.

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