Lungenkranke gründen:

Erste Selbsthilfegruppe für COPD-Betroffene in Frankfurt

+
Norbert Griffel und Dagmar Gerhard leiden beide an COPD und haben jetzt die erste Selbsthilfegruppe für Lungenerkrankungen in Frankfurt gegründet.

Frankfurt – Norbert Griffel und Dagmar Gerhard leiden beide an COPD. Beide haben zu lange ihre Krankheit ignoriert. So soll es anderen nicht ergehen. Jetzt haben sie die erste Selbsthilfegruppe für Lungenkranke  in Frankfurt gegründet. Von Dirk Beutel 

Die Selbsthilfegruppe trifft sich jeden ersten Samstag im Monat um 14 Uhr im Begegnungs- und Servicezentrum Eckenheim – Haus der Begegnung, Dörpfeldstraße 6 in Frankfurt.

Die Kehle ist wie zugeschnürt, der Atem stockt. Jeder Schritt wird zur Qual. Doch nicht das Ein-, sondern das Ausatmen wird zur Strapaze. Norbert Griffel kann sich noch an das Gefühl erinnern: „Es ist beklemmend. Man hat ein Völlegefühl in der Lunge und bekommt einfach keine Luft.“ Griffel leidet wie über sechs Millionen Deutsche an COPD (chronic obstructive pulmonary disease) einer chronischen Bronchitis. Außerdem hat er ein Lungenemphysem, eine Überblähung der Lunge. Die Krankheiten sind unheilbar. Bei jedem Atemzug bleibt immer ein bisschen mehr Luft in der Lunge. Es entstehen luftgefüllte Abschnitte in der Lunge wodurch immer weniger Platz für den Sauerstoffaustausch vorhanden ist. „Das ist aber ein schleichender Prozess“, sagt Norbert Griffel. Der ehemalige Raucher gibt zu, erste Anzeichen seiner Lungenerkrankung auf die leichte Schulter genommen zu haben. „Es dauert sehr lange bis man sich selbst eingesteht, dass man krank ist. Man schiebt das Problem so lange zur Seite wie es geht“, sagt der 54-Jährige. Bei dem Ex-Kraftfahrer kam die Einsicht, obwohl er bereits Medikamente nahm, erst, als es fast zu spät war. 2010 kollabierte seine Lunge. Die Ärzte retteten sein Leben. Nach seiner Behandlung rutschte Griffel aber in die Depression, wollte sich sogar das Leben nehmen.

Kompletter Tagesablauf wird von der Krankheit bestimmt

Lesen Sie auch:

Verband fordert: Raucherpausen abschaffen!

„Jeder braucht mal jemanden, der einen unterstützt und auch mal unangenehme Wahrheiten anspricht“, sagt Dagmar Gerhard. „Und deswegen haben wir jetzt eine Selbsthilfegruppe für betroffene Lungenkranke und deren Angehörige gegründet.“ Die erste überhaupt in Frankfurt. Gerhard hat ihre COPD-Diagnose vor etwa sechs Jahren bekommen, aber ebenso wie Leidensgenosse Griffel verdrängt. Bis sie im vergangenen Sommer ein Infekt in die Knie und zwei Wochen ins Krankhaus zwingt. „Ich hätte mir das früher nie träumen lassen. Ich war immer ein aktiver Mensch, jemand, der sogar anderer Leute Probleme geregelt hat. Und jetzt schaffe ich es nicht mal mehr bis zum Briefkasten ohne zu Japsen“, sagt die 67-Jährige, die etwa 50 Jahre lang zur Zigarette gegriffen hatte. Auch sie leidet noch psychisch unter der Krankheit: „Mein gesamter Tagesablauf wird von der Krankheit bestimmt. Für alles brauche ich länger, muss öfter eine Pause machen. Man lebt immer an der körperlichen Grenze. Das schlägt aufs Gemüt“, sagt Gerhard. Dazu kommt, dass Betroffene meist mit ihren Problemen und ihrer Krankheit alleine dastehen. Denn COPD ist den meisten unbekannt. Selbst ein sofortiger und konsequenter Rauchstopp hilft nicht mehr. Die Atemnot wird nur verlangsamt. Gravierend: Die Betroffenen werden für Infekte anfälliger und die verschlechtern die Leistung der Lunge immer weiter. Jede Erkältung hat fatale Auswirkungen. „Problematisch ist, dass viele Betroffene gar nicht wissen, dass sie längst krank sind“, sagt Griffel der deshalb mit Gerhard die Selbsthilfegruppe gegründet hat. Vergangenen Samstag war Premiere: „Es herrscht vor allem ein Informationsstau. Viele Grundlagen, wie etwa eine Lunge funktioniert oder was Medikamente bewirken, sind gar nicht bekannt“, sagt Gerhard, die sich wie Griffel wünscht, dass sich eines Tages aus der Gruppe vielleicht sogar eine Lungensportgruppe gründen könnte. Denn auch dafür gibt es Bedarf.

Kommentare