Erst pusten, dann fahren: Keiner will das Alcolock

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Erst pusten, dann fahren: Das Alcolock entscheidet, ob sich das Auto fahren lässt. Nur wenn die grüne Lampe leuchtet, lässt sich der Schlüssel drehen.

Taunus – Den Schlüssel bekommen sie kaum ins Loch, Autofahren wollen sie trotzdem: Häufig setzen sich betrunkene Fahrer hinters Steuer, obwohl sie  nicht mehr fahren dürften. Volvo hat jetzt eine Sperre entwickelt, die sich nur durch einen alkfreien Atem entsperren lässt. Von Julia Renner

Alcolock nennt sich das kleine Gerät, das entscheidet, ob ein Auto überhaupt anspringt. Volvo bietet das fernbedienungs-große Pustegerät für einen Aufpreis von rund 1000 Euro an. Bevor das Auto gestartet werden kann, muss der Fahrer einmal pusten. Leuchtet dann das grüne Lämpchen, darf er fahren. Hat er zu viel Alkohol getrunken, springt das Auto gar nicht erst an. Auch ein gelbes Licht gibt es:„Dann wird empfohlen, nicht Auto zu fahren. Aber der Wagen startet trotzdem,“ sagt Michael Schweitzer, Pressesprecher von Volvo in Deutschland.

Bei den Kunden kommt die elektronische Zündsperre allerdings nicht gut an. "Die Nachfrage ist eher dürftig“, sagt Schweitzer. In Schweden dagegen sei das Gerät stark nachgefragt. Dort würden sogar viele Arbeitgeber ein Alcolock in Firmenwagen installieren lassen.

Cornelius Blanke vom ADAC Hessen.

Das kleine Gerät funktioniere genau wie das der Polizei, sagt Schweitzer. Es gibt sogar Einwegmundstücke.

Zwei große Haken hat die Erfindung aber: Zum einen lässt sich der Grenzwert selbst einstellen und zwar zwischen 0,3 und 0,8 Promille. Zum anderen können betrunkene Fahrer ihre nüchternen Beifahrer auch einfach pusten lassen. Das spricht auch aus Sicht des ADAC dagegen. „Und es kann auch nicht sein, dass man sich an die Grenze heran trinkt“, sagt Cornelius Blanke, Sprecher des ADAC in Frankfurt.

Auch könne man sich nach einem Unfall unter Alkoholeinfluss nicht damit herausreden, dass das Gerät vor der Fahrt grünes Licht gegeben habe. „Dem Richter ist das dann egal.“

Alles, was der Verkehrssicherheit diene, finde der ADAC prinzipiell gut. Aber die Alcolocks überzeugen den Automobilclub nicht wirklich. „Wer fährt, darf nicht trinken. Es gibt einfach zu viele Tricks, die Leute sind zu erfinderisch“, so Blanke.

Das sieht Rolf Mai auch so. Der Hattersheimer ist Mitglied im Landesvorstand der hessischen Verkehrswacht und findet Alcolocks nur bedingt hilfreich. Auch er hat die Befürchtung, dass sich so mancher an den Grenzwert herantrinken würde: „Ich kann mir deshalb nicht vorstellen, dass dadurch die Unfallzahlen gesenkt werden.“

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