Gutes Mittel gegen Mobbing?

Gegen den Markenzwang: Schule führt Uniformen ein

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Shirts, Hosen, Pullover, Taschen und Mützen in Grün und Dunkelblau, so sieht die neue Schulkleidung der Ernst-Reuter-Schule in Groß-Umstadt aus.
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Region Rhein-Main – Vor ein paar Wochen hat die Ernst-Reuter-Schule in Groß-Umstadt auf freiwilliger Basis einheitliche Schulkeidung eingeführt. Ein Versuch, Mobbing und Markenzwang entgegen zu wirken. Von Dirk Beutel

Effektives Mittel gegen Markenwahn und Gruppenzwang oder krasse Verletzung des Selbstbestimmungsrechts von Schülern und deren Eltern? Das stets aufkeimende Thema Schuluniformen spaltet die Schullandschaft quer durch Hessen. Spätestens im Sommer, wenn die Röcke einiger Schülerinnen zu kurz sind, werden die Schuluniformen wieder aus der Schublade geholt. Vor kurzem erst hat die Ernst-Reuter-Schule in Groß-Umstadt einheitliche Schulkleidung mit dem Logo der Schule eingeführt. Das Tragen der Shirts, Pullover, Jacken, Taschen und Hosen in dunklem Blau und Grün ist allerdings freiwillig. Damit wolle man eine noch größere Identifikation zwischen Schülern und der eigenen Schule erreichen, sowie den Markenzwang abschwächen, sagt Schulleiter Matthias Hürten. Im Neuen Gymnasium in Rüsselsheim gibt es den Einheitslook sogar schon seit sechs Jahren – mit Erfolg.

EXTRA TIPP-Leser haben klare Meinung zum Thema

Zumindest die EXTRA TIPP-Leser haben eine klare Meinung zu dem Thema. Auf unserer Facebook-Seite schreibt Gerhard Wagner: „Sehr gut; dann hört der Markenterror endlich auf und die Kids unterscheiden sich nur noch durch ihre Bildung, nicht durch die teuersten Klamotten.“ Chrissi Sandy Zylow sieht das ähnlich: „Finde ich absolut klasse. Dann gibt es ein großes Mobbing-Problem auf der Schule weniger. Sollte in ganz Deutschland Pflicht werden.“

Lesen Sie die Pro- und Contra-Kommentare zum Thema:

Pro Schuluniform

Contra Schuluniform 

„Es spricht im Grunde nichts dagegen, aber das muss jede Schule zusammen mit Eltern und Schülern für sich bestimmen, ob solche Schulkleidung sinnvoll ist“, sagt Reiner Pilz, Vorsitzender des Hessischen Landeselternbeirates.

Landeselternbeirat: „Schulkleidung ist kein Allheilmittel" 

Er glaubt nicht daran, dass viele Schulen nachziehen werden: „Schulkleidung ist kein Allheilmittel. Weder gegen Mobbing noch gegen Markenzwang.“ Allerdings räumt Pilz ein, dass die Identität mit der Schule gefördert werden könne. Den Vorstoß in Groß-Umstadt sehe man im Hessischen Kultusministerium positiv: „Wenn die Kleidung zu einer besseren Stimmung führt und die Schüler zusammenschweißt, gibt es keine Einwände. Generell gilt das Grundgesetz und die freie Entfaltung der Persönlichkeit. Wir können da also gar keine Vorgaben machen“, sagt Ministeriumssprecher Philipp Bender.

Das sagen Passanten zu Schuluniformen

Auch der Hessische Philologenverband sieht die Sache gelassen: „Im Grunde tragen die Schüler längst so etwas wie Uniformen. Nur werden die von den großen Markenherstellern und den Bekleidungskonzernen entwickelt“, sagt Andreas Lotz, stellvertretender Vorsitzender des Verbandes. Ein einheitlicher Schullook könne zwar den Markendruck entschärfen, allerdings könnten sich die Schüler nicht mehr über ihre Kleidung ausdrücken und ihre Individualität ausleben. Lotz: „Die Kleidung spielt zwar weiter eine wichtige Rolle, das größere Statussymbol ist aber längst das Smartphone.“

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So sieht die Schulkleidung der Ernst-Reuter-Schule aus:

Fotos: Das ist die Schulkleidung der Ernst-Reuter-Schule

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Dirk Beutel

Dirk Beutel

E-Mail:dirk.beutel@extratipp.com

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