Warmes Bier und Vitamin C?

Erkältungszeit! Diese Hausmittel helfen wirklich

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Region Rhein-Main - Es ist Erkältungszeit. Viele Hausmittel und Mythen versprechen Besserung. Doch was davon ist Blödsinn, was belegt? Der EXTRA TIPP hat bei Dr. Ursula Marschall, Medizinerin der hessischen Barmer GEK in Frankfurt, nachgefragt. Von Oliver Haas

Warmes Bier am Abend vertreibt die Erkältung.

„Jedes warme Getränk lindert Erkältungssymptome -– sogar warmes Wasser. Der Hopfen im Bier besitzt allerdings noch ätherische Öle und Bitterstoffen, die beruhigend wirken und auch den Schlaf fördern können“, sagt Marschall. Dies sei eine sehr persönliche Therapie, die aber auf keinesfalls für Kinder geeignet sei.

Der Klassiker heiße Milch mit Honig.

„Wenn man an einem Husten mit Auswurf leidet, sollte man auf den Genuss von Milch grundsätzlich verzichten. Milch enthält Inhaltsstoffe, die die Schleimproduktion anregen und Husten mit Auswurf verschlimmern können“, so die Medizinerin. Bei trockenem Husten wirkte Milch mit Honig hingegen lindernd. Dies liege vor allem an den Inhaltsstoffen des Honigs, der auch pur oder im heißen Tee gegen Hustenattacken helfe. Wichtig: Babys unter einem Jahr sollten jedoch keinen Honig verabreicht bekommen. Das rohe Naturprodukt kann Bakterien enthalten, die zu lebensbedrohlichen Erkrankungen führen können.

Atemwegsinfektionen lassen sich mit Hühnersuppe weglöffeln.

„Eine Hühnersuppe ist nicht nur ein Seelentröster, sondern auch ein Gesundmacher. Forschungen belegen, dass Hühnerfleisch sowie gekochtes Gemüse Inhaltsstoffe enthalten, die eine entzündungshemmende Wirkung haben“, so Marshall. Außerdem befeuchte der heiße Dampf der Suppe die Schleimhäute und sorge so dafür, dass das Sekret in Hals und Nase besser abfließen kann. Die Suppe trage auch zur täglichen Flüssigkeitszufuhr bei und ersetzte die Salze, die beim Schwitzen verloren gehen.

Vitamin C ist ein Erkältungskiller Nummer eins.

„Leider nur zur Vorbeuge. Vitamin C ist etwa enthalten in Zitrusfrüchten, Kiwis und Brokkoli und stärkt eindeutig das Immunsystem. Aber wer bereits erkältet ist, dem nutzt auch die Extraportion Vitamin C nicht mehr“, weiß Marschall. Die Zeit der Erkrankung könne damit nicht verkürzt werden.

Küssen bei Erkältungen strengstens verboten.

Wer in der Erkältungszeit aufs Knutschen nicht verzichten möchte, der kann jetzt aufatmen. Denn: Die Erkältungsviren gelangen laut Marschall über den Kussmund in den Darmtrakt. Dort werden sie dann regelrecht vernichtet und haben keine Überlebenschance. „Außerdem unterstützt das positive Gefühl beim Küssen unser Immunsystem“, so Marschall.

Bloß nicht mit nassen Haaren raus, sonst gibt´s Schnupfen.

„Jein, denn Auslöser für eine Erkältung sind Viren und die interessieren sich nicht für den Feuchtigkeitsgrad der Haare, sondern für den Durchblutungsgrad der Schleimhäute“, erläutert die Medizinerin. Und dieser sinke, sobald die Kopfhaut auskühlt. In diesem Augenblick können nasse Haare den Ausbruch einer Erkältung tatsächlich fördern. „Um einer solchen Auskühlung der Kopfhaut und damit einer schlechteren Durchblutung der Schleimhäute vorzubeugen, sollte man bei kaltem Wetter lieber mit trockenen Haaren und am besten mit Mütze vor die Tür gehen.“

Zwiebelsaft mit Kandis hilft gegen Husten.

Zu den ältesten Hausmitteln gegen Husten zählt Zwiebelsaft mit Kandiszucker. So geht´s: Einfach eine Küchenzwiebel in Würfel schneiden und mit Kandiszucker aufkochen. Das Ganze eine Weile stehen lassen, den Sud durchsieben und dann teelöffelweise einnehmen. Wer den Saft trinkt, darf auf Linderung hoffen. Denn in Zwiebeln stecken ätherische Öle, schwefelhaltige Verbindungen und Flavonoide, die in Kombination keimabtötend und leicht antientzündlich wirken. Das beruhigt die Bronchien und lindert den Hustenreiz.

Erkältet und trotzdem arbeiten?

„Wer sich trotz Erkältung noch arbeitsfähig fühlt, sollte erst nach Rücksprache mit einem Arzt zur Arbeit gehen“, so Brigitte Schlöter von der Barmer GEK. Allerdings sollten folgende Regeln beachtet werden: Regelmäßig Händewaschen, Abstand halten von erkrankten Personen, Husten und Niesen in die Ellenbeuge oder ein Taschentuch, regelmäßig Räume lüften. Sobald sich der Arbeitnehmer wieder fit fühlt, spricht nichts dagegen, wieder arbeiten zu gehen. Die Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung beinhaltet nur eine Prognose über die voraussichtliche Dauer der Erkrankung. Kein Arzt kann sicher voraussagen, wie lang der Patient wirklich krank ist. Ein klärender Arztbesuch, sei aber vorher sinnvoll, so Schlöter.

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