Er erfüllt Kindheitsträume auf vier Rädern

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Beim Laufen kommt Sascha Appel nicht nur auf gute Ideen fürs Konsolen-Autorennspiel Gran Turismo. Sein Laufeinsatz kommt auch Menschen in Afghanistan zugute.

Neu-Isenburg – Es ist das meistverkaufte Autorennspiel der Welt: Gran Turismo. Dessen wichtige Fäden zieht ein Neu-Isenburger, Sascha Appel. Statt nur am Computer zu sitzen, ist er auch abseits der Rennstrecken unterwegs. Und zwar sportlich für einen guten Zweck. Von Andreas Einbock

Sein Büro in einem Neu-Isenburger Bürokomplex gleicht einem Spielzimmer für Erwachsene. Auf der Fensterbank liegen dutzende Automodelle und ein Rennfahrerhelm mit seinem Namen. In einer Vitrine stehen viele kleine Flitzer. Die Wand ist mit Bildern schicker Karossen behangen. Doch das Prunkstück steht mitten im Raum: Ein echter Recaro-Sportsitz mit Lenkrad, Gas- und Bremspedal vor einem Flachbildschirm.

„In dem teste ich, wie die Neuerungen von den Programmierern umgesetzt wurden“, sagt Appel. Der 34-Jährige ist für die Entwicklung von Gran Turismo im deutschsprachigen Raum zuständig und ist der verlängerte Arm von Sony in Japan. Permanent reist der gebürtige Frankfurter zu den Rennstrecken dieser Welt, von denen es im Spiel 40 gibt. „In den letzten drei Wochen habe ich 5000 Kilometer in meinem Auto zurückgelegt. Aber das ist notwendig, um die neusten Entwicklungen der Autokonzerne und Markenhersteller mitzubekommen“, so Appel, der auf den Streckenplan des Formel-1-Parcours Nürburgring an der Wand zeigt. „Da bin ich mehrmals im Jahr und drehe gelegentlich eine Runde“, so der Spielentwickler.

Rennfahrer loben Gran Turismo

Fast wie echt: Eine Rennszene aus Gran Turismo

Wie nah das Rennspiel, in dem man aus über 1000 Fahrzeugen wählen kann, an die Realität herankommt, beweist nicht nur die Tatsache, dass die Nordschleife auf dieser Strecke maximal fünf Zentimeter vom Original abweicht. „Das größte Lob ist natürlich das der Rennfahrer, die uns auf die Schulter klopfen und sich wundern, dass sie den Baum aus dem Spiel später wirklich auf der Strecke gesehen haben“, berichtet der Dietzenbacher, dessen Ergebnisse in der im November erscheinenden Neuauflage zu sehen sein werden.
Vorher ist aber sein Erfolg für die gute Sache zu sehen. Denn Appel hat keine wunden Daumen oder viereckige Auge vom vielen Spielen, sondern höchstens dicke Füße vom Laufen. Vor vier Jahren hat der ehemalige Leichtathlet mit dem Marathonlaufen begonnen. 2008 lief Appel erstmals unter vier Stunden, im letzten Jahr folgte seine aktuelle Bestzeit von 3:24:38 Stunden auf Mallorca. Doch heute soll beim Frankfurt Marathon, bei dem er zum dritten Mal startet, ein neuer persönlicher Rekord her. Dafür hat er sich eine besondere Motivation ausgedacht.

„Um meinen inneren Schweinehund zu besiegen und unter meiner Bestzeit ins Ziel zukommen, brauchte ich den richtigen Antrieb. Da war Skate Aid genau das Richtige“, sagt Appel, der seit sechs Monaten bis zu 100 Kilometer in der Woche läuft.

Appel will Kinderaugen leuchten sehen

Hinter Skate Aid steckt die deutsche Skateboard-Legende Titus Dittmann, der mit seiner Stiftung Kindern und Jugendlichen in Krisengebieten wie Afghanistan Hoffnung mit dem Rollbrett bringt. „Meine beiden Söhne sind drei und viereinhalb. Sie erleben gerade die Faszination vom Skateboard, das ich früher selbst oft gefahren bin. Dieses Leuchten in den Augen will ich mit meinen Spenden gern auch in die Gesichter der Kinder von Afghanistan bringen“, so Appel.

Für jede Minute unter seiner Bestzeit will er einen bestimmten Betrag spenden. Auch seine Arbeitskollegen hat er von dieser Idee überzeugt, was durch die gut gefüllte Spendendose auf seinem Schreibtisch deutlich wird. Sein Vorhaben ist auch in der Aktion „Frankfurt teilt“ (www.frankfurt-teilt.de) aufgenommen. Auf seiner Facebook-Aktionsseite haben sich bereits über 250 Menschen angemeldet. Nach dem Marathon ist aber nicht Schluss. Das nächste Ziel steht bereits: „Ich habe vor kurzem die Snowboard-Lizenz für Boardercross erworben und werde bei der deutschen Meisterschaft mitfahren. Dann bin ich auch im Winter aktiv und motiviert genug, um weiter für Skate Aid zu spenden.“

Weitere Informationen unter: www.facebook.com/SaschaAppelrunningForSkateAid

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