Erfolgreich trotz Knutschkrise

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So sahen die Anfänge des Gravenbrucher Autokinos aus.

Neu-Isenburg – Den Ruf des Knutschkinos hat es schon lange hinter sich gelassen. Heute flimmern über die Autokino-Leinwand im Autokino Gravenbruch, die mit einer Größe von 540 Quadratmetern der eigentliche Star ist, Blockbuster im Breitwandformat. Das erste Autokino Deutschlands wurde am 30. März 1960 in Gravenbruch eröffnet. Gefeiert wird Anfang Mai.

„Jeder hat bei uns seine eigene Loge!“ Mit diesem Slogan warb das erste deutsche Autokino einst um Publikum. Die „Loge“ mussten sich die Kinogänger allerdings selbst mitbringen: in Gestalt eines Autos. Das taten viele gerne, denn in der Intimität seines kleinen mobilen Reichs konnte man schwatzen, essen, schmatzen, trinken, rascheln, rauchen, husten, schmusen und nebenbei auch – den Film ansehen. Nicht umsonst genoss das Autokino in den prüden Sechzigern und selbst noch in den Siebzigern den Ruf des „Knutschkinos“, und die Plätze in der „Love Lane“, der letzten Wagenreihe (ohne störenden Hintermann!), waren bei jungen Pärchen äußerst begehrt. Doch diese Zeiten sind längst vorbei. Heute ist das Autokino ein besonderes Vergnügen für die Cineasten, die Kino im einzig echten Breitwandformat erleben wollen.

Es begann mit einem Projektor auf dem Wagendach

Filmvorführer beim Justieren des Projektors.

Vor 50 Jahren wurde das erste deutsche Autokino in Gravenbruch eröffnet. Bei der Pressevorführung an jenem Mittwochabend ab 19.45 Uhr sahen zunächst Journalisten exklusiv Deborah Kerr und Yul Brynner in dem Filmmusical „Der König und ich“ über die gigantische Leinwand „geistern“. Die wirklich ungewöhnliche Idee kam aus Amerika, wo alles damit begann, dass ein gewisser Richard Milton Hollingshead jr. an einem Maiabend um 1930 einen Projektor auf das Dach seines Wagens stellte, diesen auf ein Garagentor ausrichtete und sich vom Fahrersitz aus einen Film ansah.

Der findige Kaufmann Hermann Franz Passage importierte die Idee nach Deutschland. Das geeignete Gelände fand er in Autobahnnähe von Frankfurt, auf einer Waldlichtung am Forsthaus Gravenbruch, die mit 82.000 Quadratmetern ausreichend Fläche bot. Dort baute er ab 1959 das „Autokino Gravenbruch“. Der Erfolg von Gravenbruch führte bald zum Bau weiterer Autokinos in der gesamten Bundesrepublik, insgesamt etwa zwei Dutzend. Im Rhein-Main-Gebiet wurde 1968 sogar ein zweites, am Main-Taunus-Zentrum in Sulzbach, eröffnet.

Projektionsfläche ist des Star des Kinos

Unschlagbarer Star im Autokino von Gravenbruch ist die monumentale Leinwand. Die Projektionsfläche misst 36 Meter in der Breite und 15 Meter in der Höhe, also stolze 540 Quadratmeter. Inzwischen gibt es außerdem eine zweite, etwas kleinere Bildwand. Rund 1100 Pkw-Stellplätze bietet das Kinogelände. Jeweils zwischen zwei Plätzen steht eine Säule, die früher der „Tonversorgung“ diente: An langen Kabeln hingen dort Lautsprecher, die man sich in den Wagen holen konnte. Heute kommt der Ton per Funk auf bestimmten Frequenzen ins Autoradio.

Mitte der 80er Jahre schien die Zeit des Autokinos vorbei zu sein. Neben der Fernseh-Konkurrenz und der Einführung der Sommerzeit machte die Knutschkrise dem Kino zu schaffen: Liebespärchen brauchten nicht mehr ins Autokino zu fahren, um ungestört sein zu können. Erst als die neuesten Blockbuster über die riesige Leinwand flimmerten, ging es zu Anfang der Neunziger wieder aufwärts. Heute gibt es noch knapp 20 Autokinos in Deutschland. (red/Stadt Frankfurt, Presse- und Informationsamt)

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