Erdnuss-Paste für hungernde Kinder in Afrika

Von Norman KörtgeHanau - Der Weg zur Arbeit wird für Hartmut Pachl ab Januar wieder deutlich bequemer. Er setzt sich einfach in den Zug und fährt nach Hanau ins städtische Klinikum.

Nicht so wie zuletzt, als Pachl mit einem Geländewagen manchmal stundenlang über staubige und holprige Pisten fahren musste. Der 33-jährige Krankenpfleger war in den vergangenen drei Jahren für die Nothilfeorganisation "Ärzte ohne Grenzen" in Afrika im Einsatz.

Hartmut Pachl freut sich auf seinen ersten Arbeitstag in der Inneren Aufnahme des Klinikums Hanau. In wenigen Tagen wird es soweit sein. Dann nimmt der Krankenpfleger die neue Herausforderung an. Der 33-Jährige weiß, dass er sie wieder meistern wird. Dieses Gefühl, alles schaffen zu können, wenn man erst einmal die Sache konsequent angegangen ist, kann ihm niemand mehr nehmen. Dazu haben ihn die Erfahrungen der vergangenen drei Jahre in Afrika zu sehr geprägt.

"Ich habe hier Abenteuer mit einer sinnvollen Arbeit verbinden können", erzählt Pachl, der sich vom Klinikum Hanau für drei Jahre hatte freistellen lassen, um für "Ärzte ohne Grenzen" zu arbeiten.

Dreimal war er jeweils für mehrere Monate im Einsatz: einmal in Uganda, zweimal in Äthiopien. Dabei hat er gegen Kala Azar - das Schwarze Fieber - gekämpft (der EXTRA TIPP berichtete). Oder wie zuletzt unterernährte Kinder mit "Plumpy Nut", einer kalorienreiche Erdnuss-Paste, aufgepäppelt.

Denn Hunger ist in und um die Kleinstadt Deghabur im Süden von Äthiopien, ganz in der Nähe zu Somalia, kein Fremdwort. Hier war Pachl bis vor wenigen Wochen stationiert. Wenig Regen hatte in den vergangenen Jahren dort für Ernteausfälle gesorgt. Außerdem starb in Folge der Dürre viel Vieh der nomadisch lebenden Bevölkerung. Die Folge: Viele Menschen, vor allem Kinder, leiden unter Mangelernährung. Deshalb startet "Ärzte ohne Grenzen" dort vor gut einem Jahr ein Ernährungsprogramm.

"In der Stadt selbst haben wir ein Ernährungszentrum betreut", berichtet Hartmut Pachl. Dort wurden natürlich auch medizinische Notfälle aller Art behandelt. Zusätzlich gab es ein mobiles Team, das die Gesundheitsposten im Umland versorgte. "Manchmal sind wir drei bis vier Stunden auf kaum erkennbaren Straßen durch den Busch gefahren. Und dann taucht plötzlich mitten im nirgendwo eine kleine Siedlung auf - das ist schon phantastisch", erzählt der 33-Jährige. Manchmal habe die Sicherheitslage - in der Provinz gibt es öfters Militäreinsätze - allerdings die Ausfahrten verhindert. Generell musste er um 18 Uhr zurück im Lager sein.

Auch wenn "Ärzte ohne Grenzen" eine Nothilfeorganisation ist, versucht sie Strukturen aufzubauen. "Wir wollen Wissen hinterlassen und arbeiten viel mit den heimischen Helfern zusammen", sagt Pachl. Er ist sich sicher, dass er seinen Teil dazu beigetragen hat. Und für seine persönliche Entwicklung waren die drei Afrika-Einsätze enorm wichtig. Viel Selbstvertrauen hat er gewonnen. Und er hat trotz der ungewöhnlichen Umstände mit dem Rauchen aufgehört. "Ich habe auch gelernt, die kleine Dinge wieder mehr zu schätzen", sagt Pachl. Eine geschenkte Tafel Schokolade sieht er nun mit anderen Augen.

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