Sie entscheiden über die beste Prostituierte für die große Bühne

+
Internationale Jury: Franco Jacosa aus Italien (von rechts), Eduardo Villa aus den USA, der Deutsche Hans Richter und Romana Vaccaro, Ehefrau des Intendanten. Fotos (3): jule

Bad Homburg – Sie alle wollten die perfekte Edelprostituierte sein: Aus aller Welt kamen jetzt Frauen nach Bad Homburg, um sich als Violetta vorzustellen, die berühmteste Prostituierte der Musikgeschichte. Von Julia Renner

Für einen Aufschrei sorgte Giuseppe Verdi im 19. Jahrhundert, als „La Traviata“ zum ersten Mal aufgeführt wurde: Eine Mätresse, die todkrank ist, spielte die Hauptrolle in einer Oper. Mittlerweile reißen sich die besten Opernsängerinnen der Welt um die Rolle der Violetta. Anna Netrebko hat sie schon verkörpert, Maria Callas sowieso.

Jetzt wollen auch Sharon Selman aus London, Svetlana Siceneova aus Bukarest und Luminita Andrei aus Frankfurt die Violetta spielen. Mehr als 30 Frauen aus allen Ländern der Welt bewarben sich um die Rolle in der klassischen Oper, die im Sommer mehrmals im Kurpark Bad Homburg zu sehen sein wird. Auch einige Männer sind in die Kurstadt gekommen, um für den männlichen Part des Stückes vorzusingen.

Für zwei Tage in Deutschland

Dass die Opernsänger aus den USA, England, Italien und Chile kommen, um zwei Lieder vor der Jury zu singen, ist für die Sänger selbstverständlich. „Und so teuer war es gar nicht“, sagt Charles Berrios, der aus New York kam. 600 Euro habe er für den Hin- und Rückflug bezahlt.
Warum er das auf sich nimmt? „Erfahrungen aus Europa kommen in den USA gut an.“ Zum ersten Mal war der Sänger in Deutschland, doch gesehen hat er nicht viel. Schon nach zwei Tagen ging es wieder zurück.
So viel Engagement sei auch nötig, um einen der begehrten Jobs auf den Bühnen der Welt zu bekommen, finden Sharon Selman und Svetlana Siceneova. „Es ist sehr schwer, eine Anstellung zu bekommen“, sagt die Engländerin. „Es gibt sehr viel Wettbewerb und der hört auch nie auf.“

Stundenlanges Üben jeden Tag

Deshalb gilt für die Opernsänger: Talent allein reicht nicht. Üben, üben, üben lautet die Devise. „Man muss sehr fleißig sein“, sagt Luminita Andrei. Die 24-Jährige hat für die Rolle der Königin der Nacht für „Die Zauberflöte“ vorgesungen. Drei bis vier Stunden übt sie, allerdings nicht jeden Tag, denn die Stimme muss auch geschont werden.

Svetlana Siceneova aus Rumänien (links) und Sharon Selman aus England bei der Vorbereitung.

Intendant Michael Vaccaro entscheidet zusammen mit den anderen Jurymitgliedern über die besten Sänger. Mit Noten zwischen eins und zehn werden die Gesangseinlagen bewertet. Die Jury schaut auch darauf, ob der Sänger den „Schwierigkeitsgrad meistern kann und ob er bereit ist für die Rolle“, erklärt Vaccaro. „Auch die Präsenz auf der Bühne, die Ausstrahlung spielt eine wichtige Rolle“, sagt der hawaiianische Tenor Keith Ikaia-Purdy, der im Taunus lebt.

Mehr Informationen zu den Opern gibt es im Internet auf der Seite http://www.operaclassica.de.

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare