Der endlose Kampf gegen Ratten

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Mit einem Drahtseil wird der Rattenköder von Jonas Eichmann in den Kanal befördert, Chef Michael Diefenbach schaut zu.

Kriftel – Sie sind clever, überleben auch im größten Dreck und vermehren sich rasend schnell: Ratten. In Kriftel sind derzeit Schädlingsbekämpfer unterwegs, um den Tieren den Garaus zu machen – und so zu verhindern, dass sie irgendwann bis in die Häuser vordringen. Von Julia Renner

Ein kleines blaues Viereck lässt Jonas Eichmann an einem Draht in die Kanalisation hinunter. „Für die Ratten ist das wie Schokolade“, sagt Michael Diefenbach aus Dornburg bei Limburg an der Lahn. Seit Jahrzehnten kümmert sich seine Familie um Schädlingsbekämpfung, zweimal im Jahr auch in Kriftel. Zwei bis drei Tage ist er dann mit seinem Team in der Gemeinde unterwegs, um unter jedem zweiten Kanaldeckel einen Köder anzubringen.

Jonas Eichmann zeigt einen Rattenköder.

Der ist auf Getreidebasis hergestellt, in Wachs gepresst und mit einem Blutgerinnungshemmer angereichert. Fressen die Ratten den Köder an, wird die Blutgerinnung nach wenigen Tagen ausgesetzt. „Das hört sich brutal an“, sagt Diefenbach. Da der Prozess aber im Gehirn anfange, seien die Tiere sofort wie betäubt.

Ein durchaus gefährliches Mittel also, das bei der Rattenbekämpfung zum Einsatz kommt – und das trotzdem jeder im Baumarkt kaufen kann. „Leider“, wie Diefenbach sagt. „Denn wenn es unsachgemäß benutzt wird, kann es gefährlich werden.“ Hunde und Katzen seien schon häufiger an dem Rattengift verendet. Damit Menschen aufmerksam werden auf das Gift, gibt es die Köder nur in auffälligen Farben wie rot oder blau zu kaufen.

In Kriftel wird zweimal pro Jahr gegen die Krankheitsüberträger auf vier Beinen vorgegangen. „Das ist vorbildlich“, findet Michael Diefenbach. Viele andere Städte und Gemeinden würden nur alle paar Jahre etwas gegen die Ratten unternehmen – und müssen dann mit den Folgen leben.

Rattenjunge sind schon wenige Wochen nach der Geburt geschlechtsreif und bekommen sechs bis acht Jungtiere, die sich wiederum nach einigen Wochen fortpflanzen. Die Population steigt also rasend schnell an. Finden die Tiere dann in der Kanalisation nicht mehr genug Futter, graben sie sich nach oben und suchen sich Nahrung in Bäckereien, Metzgereien, oder Wohnhäusern. Dort richten sie nicht nur materielle Schäden an, sondern bringen auch Krankheiten mit.

Das wird zumindest in der Gemeinde Kriftel nicht passieren. 100 bis 200 Gramm Köder hängen Diefenbach und seine Kollegen etwa einen Meter tief in der Kanalisation auf. Das reiche für zwei bis drei Wochen. Wie viele Tiere durch einen einzelnen Köder dahingerafft werden, kann der Schädlingsbekämpfer allerdings nicht schätzen.

Dass es überhaupt so viele Ratten gibt, daran sind auch die Menschen nicht ganz unschuldig: „Weil viele ihre Essensreste in der Toilette entsorgen.“ In so manchem Kanal hat der Schädlingsbekämpfer schon von Ratten angelegte Nudel-Depots entdeckt. „Deshalb Lebensmittel immer in der Bio-Tonne entsorgen. Auch nicht auf dem Komposthaufen“, rät der Fachmann. Doch trotz aller Maßnahmen: „Ausrotten können wir sie nicht, nur die Population klein halten.“

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