Für ihn endet fast jeder Film tödlich

+
Ob brennend im feinen Zwirn... 

Region Rhein-Main – Verbrannt, vom Auto überfahren, aus dem Fenster gestürzt, erschossen: Gestorben ist Robert Becker schon oft. Zumindest im Kino und TV. Der 45-Jährige ist Stuntman und das seit 30 Jahren. Sein aktuellstes Projekt: Die Verfilmungen der Nele-Neuhaus-Krimis. Von Julia Renner

...oder in luftiger Höhe an einem Hubschrauber – der Frankfurter hat fast alles schon einmal gemacht.

Als Robert Becker 15 Jahre alt war, ist er vom Pferd gefallen. Ein Unfall war das allerdings nicht, sondern pure Absicht. Der Frankfurter lernte damals Judo und Karate und sein Trainer – selbst Stuntman – suchte einen jungen Mann, der vom Pferd fällt. „Ich konnte nicht reiten, aber fallen“, sagt Becker. Das hatte er beim Kampfsporttraining gelernt.

Stuntman Robert Becker.

Dieses Training sollte ihm in den folgenden Jahren noch oft zugute kommen. Denn eine reguläre Ausbildung gibt es nicht für Stunt-Leute. „Viel ist learning by doing“, sagt Becker. Und man fängt klein an. Aus einem Haus aus 27 Metern Höhe auf ein Luftkissen springen war einer seiner gefährlichsten Stunts, erzählt er. Doch zunächst hat er immer wieder Sprünge aus wenigen Metern geübt. Denn er weiß: Bei einem Sprung aus großen Höhen kann ein Fehler durchaus tödlich sein. Für einen Sprung, der im Film etwa drei Sekunden zu sehen sein wird, müsse man durchaus mal zwei Wochen üben.

Anderen etwas beweisen oder den dicken Mann markieren? In diesem Beruf völlig fehl am Platz, sagt der Frankfurter. „Die Sicherheit hat immer höchste Priorität.“ Trotzdem bleibt ein gewisses Restrisiko und auch im Krankenhaus ist er nach einem Trainingssprung schon gelandet. „Ganz ohne Blessuren geht es nicht“, sagt er. Prellungen und blaue Flecken gehörten einfach dazu.

Seit einigen Jahren arbeitet Robert Becker nun häufiger hinter der Kamera als Stunt-Koordinator. Und nicht nur das: Becker ist Tüftler, hat schon eigene Katapulte entwickelt. Eines seiner Katapulte war sogar schon beim Tom Cruise-Film „Operation Walküre“ im Einsatz. Drei Tage hat er damals mit der Film-Crew gearbeitet.

Auch bei den gerade gedrehten Nele Neuhaus-Krimis war er im Taunus dabei, ebenso schon oft bei Musikvideodrehs von Masterboy und DJ Bobo und bei diversen „Tatorten“.

Sein Job ist es, so sagt der Stuntman, Illusionen zu verkaufen. Weil er aber nicht wusste, wie lange das gut geht, „habe ich sicherheitshalber noch etwas Ordentliches gelernt“, sagt der Stuntman lachend. Becker ist studierter Informatiker. Ob er allerdings jemals in diesem wenig actionreichen Beruf arbeiten wird, ist zumindest fraglich.

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Mehr zum Thema

Kommentare