Vorsitzender des Elvis Presley Vereins über den Mythos des Musikers

Elvis Weekend in Friedberg: „Ohne den King hätte es die Beatles nie gegeben“

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Der King hautnah: Elvis-Fan Angelika Springauf darf an ihr Idol ganz nah ran, das von 1958 bis 1960 im hessischen Friedberg als Soldat stationiert war.

Elvis Presleys Todestag jährt sich an diesem Sonntag zum 38. Mal. Jürgen Muth, Vorsitzender des Elvis Presley Vereins, erzählt von seiner Leidenschaft und der Faszination für den King of Rock´n´Roll. Von Dirk Beutel

Herr Muth, was war Ihre erste Elvis-Presley-Platte?

Meine Leidenschaft zu Elvis Presley habe ich durch meinen Schwager gewonnen. Er hatte damals schon alle Platten. Meine erste war, glaube ich, King Creole, der Soundtrack zum gleichnamigen Film aus dem Jahr 1958. In Deutschland hieß er „Mein Leben ist der Rhythmus“. Für mich der beste Film mit ihm, da erinnert er mich immer etwas an James Dean.

Wann wurden Sie persönlich mit dem Elvis-Virus infiziert?

Als ich das erste Mal etwas von Elvis mitbekommen habe, war ich zwischen 15 und 16 Jahren. Zu dieser Zeit haben viele Jugendliche zwar amerikanische Musik gehört, wie etwa Creedence Clearwater Revival, aber mit Elvis konnten nur die wenigsten zu Beginn der 70er etwas anfangen.

Wie sind Sie außer seinen Platten in Berührung mit dem King of Rock´n´Roll gekommen?

In Graceland, in Memphis, Tennessee, war ich dreimal, darüber hinaus habe ich einige Menschen aus Elvis´ näherem Umfeld kennenlernen dürfen. Etwa seinen Bodyguard Red West, der mittlerweile auch schon 79 Jahre alt ist. Wie eben auch die meisten Fans schon über 70 Jahre alt sind.

Wie groß ist der Kult um Elvis noch – 38 Jahre nach seinem Tod?

Der Mythos lebt und ist im Grunde immer noch sehr groß. Vor allem in Amerika spürt man ihn sehr, hier bei uns in Deutschland leider etwas weniger. Zu der Zeit, als Elvis in Deutschland als Soldat zwischen 1958 und 1960 in Friedberg stationiert war und in Bad Nauheim lebte, war Freddy Quinn die Nummer eins in den Charts. Die Rock´n´Roll Musik wurde so auch nicht im deutschen Radio gespielt. Wer diese Musik hören wollte, hat damals AFN eingeschaltet. Trotzdem bei allen Hits und Chartserfolgen, die Elvis hatte, darf man nicht seinen musikalischen Einfluss vergessen. Alles was danach kam, vor allem im Rock´n´Roll Bereich, orientierte sich an Presleys Musik. Dabei war Elvis am Anfang seiner Karriere in Amerika nicht überall willkommen. Nicht zuletzt sein Hüftkreisen wurde vielfach kritisiert, ähnlich war es bei Jerry Lee Lewis.

Haben Sie den King of Rock´n´Roll mal persönlich erlebt?

Leider nein, dafür bin ich etwas zu jung. Da hätten mich meine Eltern nach Bad Nauheim mitnehmen müssen und die waren nicht unbedingt Elvis-Fans.

Sein 80. Geburtstag wurde groß gefeiert. Wie gehen die Fans mit seinem Todestag am Sonntag um?

Es ist jede Menge Programm, sowohl in Friedberg als auch in Bad Nauheim geplant. Es wird eine Litfaßsäule am Elvis-Presley-Platz eingeweiht, es wird eine Sonderausstellungen im Wetterau-Museum geben, dazu natürlich jede Menge Rock´n´Roll-Musik und Tanzshows.

Manche sagen, dass der Elvis-Kult gar nicht nach Friedberg oder Bad Nauheim gehöre. Elvis wurde schließlich als Soldat dorthin beordert. Er sei ja nicht freiwillig hergekommen. Was sagen Sie diesen Kritikern?

Das ist nicht unbedingt falsch, aber was spricht dagegen? Außerdem darf man nicht vergessen, Elvis hätte gar nicht dorthin gemusst, das war eine Taktik von „Colonel“ Tom Parker, seinem Manager. Viele dachten, Elvis sei nach seinem Militärdienst musikalisch fertig, dabei war das Gegenteil der Fall. Niemand hat oder wird so viele Platten weltweit verkaufen wie Elvis Presley. Wenn es ihn nicht gegeben hätte, gäb´s keine Beatles oder die Stones. Er hat so viele Menschen auf der Welt inspiriert und unterhalten, das ist in jedem Fall wert, dass man es würdigt.

Auf der anderen Seite gibt es Stimmen, die behaupten, dass Elvis als Mensch, gerade in seinen letzten Jahren, durch seine Tablettensucht kein Vorbild  sei.

Mal so gesagt: So ein Künstlerleben ist schwierig und Elvis Presley ist da keine Ausnahme. Am Tag schlafen und abends wird gearbeitet, eine tolle Show hingelegt und im Anschluss wird vielleicht noch gefeiert. Das ist heute genauso wie damals. Da gibt es genug Beispiele, nehmen wir etwa Amy Winehouse. Aber wie sagt man so schön? Die Besten sterben jung.

Bei einer Versteigerung persönlicher Dinge des Kings wurde eine durchlöcherte Papierzielscheibe aus dessen Schießstand für stolze 27.500 Dollar, verkauft. Können Sie das nachvollziehen?

Da hab ich noch etwas besseres: Elvis´ erste Platte, die er für seine Mutter aufgenommen hat, „My Happyness“, wurde sogar für über 220.000 Dollar verkauft. Aber naja, ich bin ja auch Sammler, vor allem die Platten interessieren mich. Alte Exemplare zu bekommen, die noch in neuwertigem Zustand sind, im Mint-Zustand wie der Fachmann sagt, ist richtig schwierig. Aber bei Sachen, die irgendwie möglicherweise mit Elvis zu tun haben, soviel Geld auf den Tisch zu legen, kann ich nicht nachvollziehen. Das braucht kein Mensch.

Jürgen Muth verrät fünf Dinge, die Sie vom King sicher noch nicht wussten:

1. Elvis Presley hatte in Deutschland nur einen einzigen Nummer eins Hit. "In The Ghetto" wurde im Juli 1969 veröffentlicht und hielt sich zwei Wochen an der Chartspitze.

2. Elvis Presley hat nie ein Konzert außerhalb Nordamerikas gegeben. Grund: Sein Manager Tom Parker. Er war illegal in die USA gekommen und hatte Angst, wenn er Amerika einmal verlässt, es nicht mehr betreten zu dürfen.

3. Immer wieder keimen Gerüchte auf, Elvis Presley hätte ein Problem mit Alkohol gehabt. Muth: "Das stimmt nicht. Er nahm zwar Tabletten, aber Alkohol hat er so gut wie nie getrunken. Auch geraucht hat er nicht."

4. Elvis hatte ein gutes Herz: Familienmitgliedern, Mitarbeitern oder sogar völlig fremden Menschen schenkte er Autos. Am liebsten Cadillacs.

5. Elvis machte keinen Unterschied zwischen Schwarz und Weiß: Als er in Texas auftreten sollte, forderte der Veranstalter, Elvis bräuchte seinen Gospel-Chor, der nur aus schwarzen Musikern bestand, nicht mitzubringen. Muth: "Elvis sagte: Wenn der Chor nicht mitkommt, komme ich auch nicht." 

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