Von Elvis bis Lennon: In Frankfurt kaufen Superstars seit 102 Jahren ihre Instrumente

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Das "Cream" im Bahnhofsviertel.

Frankfurt – Elvis , John Lennon, die Rolling Stones, The Police oder Billy Idol – die Käuferliste des „Cream Music“ liest sich, wie das „Who is Who“ der Rockgeschichte. Superstars aus aller Welt schwören auf die Instrumente des Frankfurter Musikladens mitten im Bahnhofsviertel. Von Mareike Palmy

Auch Martin Hahns Schlagzeug haben schon Star-Drummer getestet.

Unmengen Gitarren stehen aufgereiht in Vitrinen an der Wand, Mischpulte soweit das Auge reicht, reihenweise Verstärker, Lautsprecherboxen, Soundsysteme und ein ganzer Raum voller riesiger Schlagzeuge – das „Cream Music“ ist für Musiker der Himmel auf Erden. Auch in Rockstarkreisen gilt der Laden als Geheimtipp.
„Erst vor zwei Wochen warFlorian Schneider von Kraftwerk bei uns im Laden und hat einen Sampler gekauft“, erzählt Geschäftsführer Stefan Hahn, „und letzten Sommer hatAndy Summers von The Police eine Gitarre gekauft. Der hat gleich
mehrere Tage hier verbracht, weil er’s so gemütlich fand“.

Käuferliste des "Cream" liest sich wie das Who is Who der Rockgeschichte

Der King of Rock'n Roll hat im „Cream“ seine Gitarre gekauft.

Lauscht man Stefan Hahns Geschichten, erfährt man dass sich im Frankfurter Musikhaus „Cream Music“ in derTaunusstraße 43, Rockstars die Türklinke in die Hand geben. Der 40-Jährige führt die Geschicke des 1908 gegründeten Ladens bereits in der vierten Generation. Gemeinsam mit seinem Bruder Martin und seinen Cousins Robert und Bernhard regelt er das tägliche Geschäft.
Der traditionsreiche Musikladen hatte in seiner 102-jährigen Geschichte schon so manch weltberühmten Kunden an der Theke stehen. Früher war das Musikhaus sogar eines der größten in Europa. „Unser riesiges Sortiment und die Nähe zu großen Konzertstätten brachte und bringt die Musikgrößen bei uns vorbei“, erklärt Stefan Hahn die beeindruckende Kundenliste.
Elvis Presley, der King of Rock’n‘Roll höchstpersönlich, kaufte im „Cream“, damals noch unter dem Namen „Musikhaus Hummel“, eine Gitarre. Noch heute hängt die Original Rechnung der Kult-Gibson Les Paul hinter dem antiken Tresen.

Die Gründerväter des "Cream" holten die Kult-Fender Gitarre nach Europa

Musikgeschichte bis zur Decke: Gründerenkel Stefan Hahn hinter der Kasse.

Aber auch Frank Sinatra, Bill Haley, die Jungs von Led Zeppelin oder Frank Zappa bekamen dort keine Extrawurst. „Hier werden alle gleich behandelt, ob Star oder nicht“, beteuern die
Mitarbeiter vom „Cream“.
Die britische Popsängerin Katy Melua wurde nicht mal erkannt. Der Besuch von Punksänger Billy Idol gestaltete sich dagegen anstrengend: „Der ist hier rumgestolpert und hat geflucht. Kurze Zeit später ist er wütend abgedampft, weil hinter der Kasse kein Bild von ihm, dafür aber eines von Kiss-Gitarrist Paul Stanley, hing“, erinnert sich Martin Hahn.
Rolling Stone Keith Richards orderte beim letzten Frankfurt-Aufenthalt in der Commerzbank-Arena 20 Taktstöcke, da er vor Konzerten gerne privat dirigiert. „Dabei geht’s wohl recht wild zu, denn die Sticks brechen reihenweise kaputt“, sagt Stefan Hahn.
Selbst Beatle John Lennon hat schon auf dem alten roten Samtsofa im „Cream“ gesessen und sich beraten lassen.

Von Elvis bis Rolling Stones- alle waren schon da 

Die original Rechnung der Elvis Gitarre hängt hinter der Ladentheke.

Die berühmte amerikanische Fender Gitarre gab‘s in Europa zuallererst im Bahnhofsviertel. Innovativ zeigten sich die Hahns auch, als sie 1978 den ersten reinen Schlagzeugladen, drei Häuser weiter, mit einem Vorführraum eröffneten. „Da haben schon die ganz Großen ihren Rythmus getestet“, verrät Schlagzeugspezialist Martin Hahn.
Vom Mikrofon für RapperAzad, über Kopfhörer für Technolegende Sven Väth bis hin zum Klarinettenständer für’s Schauspiel Frankfurt. „Wir haben einen treuen und berühmten Kundenstamm“, sagt Stefan Hahn, „aber Elvis kommt wohl nicht mehr.“

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