Whiteboards bereichern den Schulunterricht

Schule: Riesen Tablets statt Schiefer-Tafeln

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Schülerin Katharina Thielmann steht vor dem Whiteboard und überlegt, welches richtige Adjektiv sie einsetzen muss.

Region Rhein-Main – Dunkelgrüne Tafeln, weiße Kreide und nasse Schwämme erinnern jeden an seine Schulzeit. Doch sie haben vielerorts ausgedient. Tafeln werden in den Schulen durch sogenannte Whiteboards ausgetauscht. Von Silke Gottaut

Experten meinen, sie bringen mehr Motivation und Spaß am Lernen. Doch die Anschaffung kostet Millionen Euro.

Katharina Thielmann überlegt. Sie steht vor dem beleuchtenden Bildschirm. Ein Beamer wirft das Englisch-Arbeitsblatt an das Whiteboard. Sie soll den nächsten Satz mit dem richtigen Adjektiv vervollständigen. Um zu schreiben nimmt sie einen speziellen Stift, denn das Whiteboard reagiert auf Berührungen, ähnlich wie ein Touchscreen. Wenn das Arbeitsblatt fertig bearbeitet ist, öffnet Lehrerin Miriam Bögel einfach ein neues Dokument. Tafel wischen kennen die Schüler der Philipp-Reis-Schule in Friedrichsdorf nicht. Sie ist eine der beiden Schulen im Hochtaunuskreis, die nur mit Whiteboards arbeiten. Mit 120 elektronischen Tafeln wird hier unterrichtet.

Alte Tafeln passen nicht mehr in den Unterricht

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Schüler und Lehrer sind begeistert: „Whiteboards sind super“, sagt Bögel: „Mit ihnen kann ich den Unterricht motivierender gestalten.“ Anstatt schwarz-weiß Kopien, wirft Bögel Farbiges ans Board. Da Fernseher und Boxen integriert sind, zeigt sie öfter mal einen kurzen Film oder macht eine Hörverstehensübung. „Bunte Bilder und Arbeitsblätter motivieren mich“, sagt Schülerin Jessica Teichelmann. „Wir wachsen in einer digitalen Welt auf. Da passt eine alte Tafel nicht mehr“, meint Mitschülerin Thielmann.
Dies bestätigt Clemens Bohrer, Referent für neue Medien an der Frankfurter Akademie für Bildungsforschung und Lehrerbildung : „Die Schule muss sich der Lebenswelt der Kinder anpassen. Täglich benutzen sie Medien. Warum nicht auch in der Schule.“

Auch Angelika Beranek vom Netzwerk Medienpädagogik Rhein-Main sieht darin eine positive Schul-Entwicklung.„Whiteboards können, wenn sie richtig eingesetzt werden, Schüler motivieren. Natürlich brauchen die Lehrer dazu eine ausführliche Schulung.“ Zudem sagt sie, dass durch die vielfältigen Möglichkeiten der Unterricht bereichert wird. Zum Beispiel im Internet arbeiten und die Inhalte so teilen, dass die Schüler zu Hause darauf zugreifen können.

Doch die Anschaffung eines Whiteboards ist teuer. Je nach Ausstattung kosten sie zwischen 3000 und 8000 Euro. Eine alte Tafel ist im Vergleich dazu schon für zirka 900 Euro zu haben.

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Im Hochtaunuskreis sind derzeit 415 interaktive Whiteboards im Einsatz. „Diese haben bis jetzt rund 2,5 Millionen Euro gekostet“, sagt Markus Koob, Pressesprecher des Hochtaunuskreises.

Im Main-Taunus-Kreis verfügt jede Schule über mindestens eine elektronische Tafel. Insgesamt 215 aktive Whiteboards stehen an 55 Schulen den Lehrern zur Verfügung.

In Offenbach bereichern 100 Boards die Schulen. Das Ziel ist es, dass alle Schulen über mindestens eins verfügen, sagt Norman Jahn vom Stadtschulamt Offenbach.

In den Schulen im Landkreis Offenbach gibt es momentan 440 elektronische Whiteboards. Dabei bleibt es auch erst einmal. „Für mehr haben wir zur Zeit kein Geld“, erklärt Kreis-Pressesprecherin Kordula Egenolf.

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