Genetische Zwillinge spenden Stammzellen

Elenore Pinck und Tanja Panico sind Kämpfer gegen den Krebs

+
Elenore Pinck bei der entscheidenden Voruntersuchung in Birkenfeld. Sie hilft mit ihren Stammzellen einer Patientin.

Hanau/Mühlheim – Viele Menschen haben sich bereits als mögliche Stammzellenspender registrieren lassen. Das Gefühl setzt sich fest, dass die Bereitschaft nie abgerufen wird. Den genetischen Zwilling zu finden, scheint selten zu klappen. Stimmt nicht, wie zwei Beispiele aus der Region zeigen. Von Axel Grysczyk

„Ich passe wirklich.“ Elenore Pinck konnte es zunächst nicht glauben. Nachdem sie sich 2009 auf dem Hessentag in Langenselbold typisieren lassen hat, waren rund fünf Jahre vergangen. Typisieren bedeutet lediglich, dass aus einer Blutprobe die für eine Transplantation relevanten HLA-Gewebemerkmale im Labor bestimmt werden. Das gleiche funktioniert auch mit einem Abstrich der Mundschleimhaut. Am 17. März 2014 fuhr Pinck ins pfälzische Birkenfeld, um für eine ihr unbekannte Leukämiepatientin zu spenden. Nach weiteren Untersuchungen steht fest: Sie ist der genetische Zwilling.

Zu Helfen ist selbstverständlich

Fünf Stunden lang werden ihr Stammzellen entnommen. Ihr Mann ist stolz. „Er nennt mich ‚meine Heldin“, sagt die 42-jährige Hanauerin. Und Pinck ist sich sicher: „Ich würde es wieder machen. Wenn man sich das Elend bewusst macht, was nicht nur die Patienten, sondern auch die Familien der Erkrankten durchmachen, ist eine solche Hilfe selbstverständlich“, sagt sie, obwohl sie weiß, dass es die Frau aus Deutschland, die ihre Stammzellen bekommen hat, es nicht geschafft hat. Die Patientin ist nach einer Lungenentzündung gestorben. Pinck: „Ich konnte ihr neue Hoffnung und vor allem ein bisschen mehr Zeit schenken.“

Stammzellen befinden sich im Knochenmark

Geholfen hat auch Tanja Panico aus Mühlheim. Auch die 37-Jährige hat einen genetischen Zwilling. Vor einigen Monaten bekam sie dann einen Brief der Stefan-Morsch-Stiftung: „Ich hab mich sehr gefreut, dass ich vielleicht helfen kann. Meine Familie fand das eine super Sache, auch wenn sie sich auch Sorgen um mich gemacht haben.“ Bevor Panico Stammzellen spenden durfte, wurde sie umfassend aufgeklärt und gründlich untersucht. Dann beginnt die entscheidende Phase vor der Transplantation. Die Stammzellen befinden sich im Knochenmark. Um sie zu übertragen, gibt es zwei Möglichkeiten: Die Entnahme peripherer Blutstammzellen aus dem Blut – ähnlich wie bei einer Dialyse.

Zwei Jahre bleibt der Empfänger unbekannt

Apherese heißt dieses Verfahren, das heute am häufigsten angewandt wird. Bei der klassischen Methode – der Knochenmarkspende – entnehmen die Mediziner Knochenmark aus dem Beckenknochen des Spenders. Zu diesem Zeitpunkt erfahren weder Tanja Panico, noch der Patient, wer der andere ist. Bis zum Ablauf von zwei Jahren bleiben sie anonym. Erst danach besteht die Möglichkeit, dass sich Spender und Patient kennenlernen. Häufig denkt Panico an den Unbekannten. „Ich frage mich oft, wie er sich fühlt und hoffe, dass er den Lebensmut nicht verliert. Ich spreche viel mit meinen Kindern und Freunden darüber und hoffe, dass er oder sie weiterleben kann.“

Mehr zum Thema

Kommentare