Wo Eisenhower für 50 Mark funken konnte

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Historiker Gerhard Raiss mit einem Foto eines Lastenseglers und Fotos des Eschborner Flugplatzes in einem Buch.

Eschborn – Am Samstagabend, 8. Oktober, wird Gerhard Raiss von der Geschichte des Militärflugplatzes Eschborn berichten. Und der Leiter des Stadtmuseums Eschborn hat viel zu erzählen. Denn das Gelände war nicht nur Militärflugplatz. Viele Jahre gab es dort auch eine von zwei Überseefunkstellen Deutschlands.

Unter dem Decknamen „Schafweide“ begann die wechselvolle Geschichte des Areals zwischen Eschborn, Schwalbach und Sulzbach. Unter dieser Bezeichnung kaufte die deutsche Luftwaffe ab 1937 den Bauern ihre Äcker ab.

Fünf große Flugzeughallen wurden gebaut, in denen schließlich etliche Lastensegler geparkt wurden. Mit diesen unmotorisierten Fliegern trainierte die Luftwaffe, um Soldaten und militärisches Gut über die feindlichen Grenzen bringen zu können.

Nach einem Bombenangriff der Amerikaner im August 1944 „fiel der Flugplatz in einen Dornröschenschlaf“, sagt Raiss. Nach dem Zweiten Weltkrieg haben die Amerikaner dann den Flugplatz genutzt und eine große Start- und Landebahn gebaut. Weil der Flughafen Rhein-Main zerstört war, „war der Flugplatz in Eschborn dann der Dreh- und Angelpunkt des Rhein-Main-Gebiets“. Dwight D. Eisenhower, damals noch Oberbefehlshaber der alliierten Streitkräfte, sei dort ebenso gelandet wie Eleanor Roosevelt, die Ehefrau des damaligen US-Präsidenten. „Fotos gibt es davon aber leider nicht“, sagt Historiker Raiss.

Von der Funkstelle zum Wald-Zoo

1948 wurde auf dem Gelände schließlich eine Überseefunkstelle eingerichtet. Zum Teil 30 Meter hohe Masten prägten das Stadtbild. „Hier in Eschborn war die einzige Empfangsstelle Deutschlands.“ Gesendet wurde von einem anderen Ort. Ganz billig sei das aber nicht gewesen. Drei Minuten in die USA kosteten damals rund 50 DM. In den 80er-Jahren wurde dann das Arboretum eingerichtet, ein riesiger „Wald-Zoo“ auf etwa 76 Hektar.

Der Vortrag von Gerhard Raiss beginnt heute um 18 Uhr, Treffpunkt ist am Waldhaus Arboretum, Am weißen Stein, Schwalbach. Kosten: Zwei Euro. jule

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