Mit einem Klick den Papa gefunden

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Familientreffen am PC: John Weil hat im Internet seinen Vater gefunden.

Offenbach – Was ein Vater ist, hat John Weil nie erfahren. Nach der Trennung seiner Eltern, verschwindet Papa Holger spurlos. Doch dann passiert das Unglaubliche: Auf der Internetplattform wer-kennt-wen.de findet er ihn wieder. Von Mareike Palmy

An ein Wiedersehen mit seinem Vater am PC hatte John Patrick Weil aus Offenbach nie im Leben geglaubt. Herzzerreißende Familien-Zusammenführungen kannte er nur aus dem Fernsehen.

„Mit meiner Mutter hab ich aus Spaß mal seinen Namen in der Suchmaske von wer-kennt-wen.de eingegeben und tatsächlich, dann kam da gleich das Foto“, erzählt der 20-jährige Offenbacher.

Schon in der Pubertät kommt der Wunsch bei John Weil auf, seinen Papa endlich zu finden. Alte Fotos von Mutter Michaela reichen ihm nicht mehr als Vaterersatz. Über das Jugendamt probiert er die Adresse seines Vaters rauszubekommen, aber jede Kontaktaufnahme scheitert, jede Postkarte kommt mit der Aufschrift „Empfänger verzogen“ zurück. Jede Hoffnung den Vater zu finden, schwindet.

Das Internet war die letzte Chance

Papa Holger Swenne war lange Zeit nicht auffindbar, auch er hat seinen Sohn John vermisst.

„Das Internet war meine letzte Chance“, sagt John Weil, der gerade eine Ausbildung als Lagerlogistiker macht.
Beim Surfen im Netz kreuzen sich dann überraschend die Lebenswege. John fasst sich ein Herz und schreibt dem Mann auf dem Bildschirm, den er nur noch aus seiner Erinnerung kennt. Zwei Tage verbringt John unruhig wartend vor seinem PC: „Ich war so aufgeregt, konnte nachts nicht schlafen, alle Fragen kamen in mir hoch“, beschreibt er sein banges Warten. Erinnert sich der Vater noch? Freut er sich genauso? All die Sorgen geistern in dieser Zeit durch John Weils Kopf. Völlig unbegründet wie sich zeigt. Denn Vater Holger Swenne freut sich über die Nachricht von seinem Sohn: „Ich konnte es kaum fassen, als seine Nachricht kam.“ Elf Jahre hatten beide sich nicht gesehen und kostbare Zeit verpasst. Dabei lebt Vater Holger Swenne nur ein paar Mausklicks von seinem Sohn entfernt. Im 60 Kilometer nahen Heppenheim. Dort hat er ein neues Leben angefangen.

Kein Drama, kein Herzschmerz, keine Vorwürfe

Das erste Treffen der Beiden fand in Jügesheim statt, verlief aber ganz ohneHerzschmerz. Keine Tränen, kein Drama. „Wir sind uns nicht schluchzend in die Arme gefallen, wie in einer Talkshow“, sagt John Weil über das aufregende Wiedersehen, „trotzdem haben wir uns tierisch gefreut und viel erzählt“.

Auch Holger Swenne hat versucht über das Jugendamt Kontakt zu John aufzunehmen. Er wollte seinem Sohn ein Vorbild, eine Vertrauensperson, ein Vater sein. Ständige Umzüge und bürokratische Hürden verhinderten ein Treffen jedoch jahrelang.

Mittlerweile sehen Vater und Sohn sich regelmäßig. Über‘s Internet kontaktieren sie sich aber nur noch selten. „Meistens telefonieren wir“, sagt John Weil. Eine Vater-Sohn-Beziehung ist aber nicht entstanden. „Wir verstehen uns prima, sind aber eher gute Freunde“, erklärt Holger Swenne. Nur in einem sind sich beide uneinig: Die Liebe zum Fußballclub. Während John Weil eingefleischter Kickers-Fan ist, brennt Holger Swennes Herz für die Eintracht: „Da erzieh ich ihn aber noch.“

 

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