Mit einem Gongschlag die Trauer aufbrechen

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Willi Heuse ist nicht nur Bestatter, sondern auch Trauerbegleiter. In seinen Kursen bietet er auch Klangmeditation an.

Frankfurt – Der Tod hat schon immer zum Leben von Willi Heuse gehört. In fünfter Generation führt er ein in Familienbesitz befindliches Bestattungsunternehmen. Er plädiert für einen bewussteren Umgang mit Tod, Trauer und Abschiednehmen. Denn diese steigere die Lebensqualität. Von Norman Körtge

„Der Tod kommt in unserem Alltag ja gar nicht mehr vor. Alle sind hipp und lustig“, spitzt Willi Heuse zu. Mittlerweile sei der Tod ein Tabuthema. Auch deshalb könnten viele mit Trauer nicht mehr umgehen.
Noch vor wenigen Jahrzehnten war es ganz normal gewesen, dass der Verstorbene in den heimischen vier Wände aufgebahrt wird. Jeder, ob Verwandte oder Freunde, hatte so ausreichend Zeit, in vertrauter Umgebung Abschied zu nehmen. Heute nahezu undenkbar. „In ländlichen Gegenden gibt es das ab und zu noch, aber in einer Großstadt wie Frankfurt eigentlich gar nicht mehr“, sagt Heuse. Das bedauert der 43-Jährige, denn dadurch hätten die Menschen den natürlichen Umgang mit den Tod verloren. Auch deshalb liegt der Schwerpunkt seines erst vor kurzem in der Hahnstraße in Frankfurt-Niederrad offiziell eröffneten „Centrums Leben & Abschied“ nicht auf der reinen Bestattertätigkeit, sondern auf der Trauerbewältigung.
„Trauer und Abschied nehmen braucht Zeit“, sagt Heuse und ergänzt, dass er damit auch die Zeit vor der Beerdigung meint: „Bei einem natürlichen Tod besteht keinerlei Notwendigkeit, den Verstorbenen sofort außer Haus bringen zu lassen.“ Denn in der häuslichen Atmosphäre sei das Abschiednehmen einfacher und oft auch harmonischer. „Man kann den Verstorbenen noch einmal am Arm packen oder auch mit ihm Reden“, erzählt Heuse.

Trauer braucht Ausdrücke

Jeder trauert anders um einen Verstorbenen.


Und wenn es zu Hause nicht möglich ist, dann gibt Heuse auch in seinen Räumen die Möglichkeit dazu. Er erinnert sich an eine Frau, die jeden Tag kam, um von ihrem Mann Abschied zu nehmen. Mal alleine, mal mit Freunden und Bekannten. „Sie haben sogar noch einmal mit einer Flasche Sekt auf ihn angestoßen“, berichtet Heuse. Irgendwann sei dann der Zeitpunkt gekommen, wo die Frau gesagt habe: „Jetzt bin ich soweit.“ Erst dann ging es zur Beerdigung.
„Trauer braucht Ausdrücke“, meint Heuse, der eine Zusatzausbildung als Trauerbegleiter gemacht hat und als solcher verschiedene Kurse anbietet und konkrete Angebote macht. So würden manche Briefe schreiben, andere Bilder malen oder eine Skulptur aus Stein oder Holz anfertigen. Anderen helfe eine Art Klang-Meditation. „Die Schwingungen helfen Blockaden zu lösen“, erzählt Heuse. Manchmal seien Menschen durch die Trauer wie versteinert. Ein Gongschlag könne diese aufbrechen.

Umgang mit dem Tod steigert Lebensqualität


Für Heuse steigert ein bewusster Umgang mit dem Tod die Lebensqualität: „Wer sich mit dem Tod beschäftigt, erkennt, was wirklich wichtig ist im Leben“, sagt er und ergänzt: „Nicht nur die drei Wochen Urlaub sind die schönste Zeit des Jahres, sondern auch die verbleibenden 49.“
Nicht ohne Grund heißt deshalb der nächste Kurs, der am Donnerstag, 25. November, im „Centrums Leben & Abschied“ angeboten wird: „Glücklicher leben – und was der Tod damit zu tun hat.“ Mehr Infos unter (069) 664298990 oder www.centrum-leben-und-abschied.de.

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