Eine Tradition stirbt langsam

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Floristin Franziska Krüger arbeitet an einem Grabgebinde. 

Region Rhein-Main – Die Tage werden trüb und die Bäume kahl. Zeit, um an die Menschen zu denken, die nicht mehr leben. Ob an Allerheiligen oder Totensonntag: Grab-Gestecke sind jetzt gefragt. Doch junge Hinterbliebene verzichten häufig auf diese Tradition. Von Jennifer Dreher

Gediegen soll das Grab-Gesteck sein. Lediglich die große helle Proteablüte ist ein Blickfang.

„Würdevoll und gediegen soll der Grabschmuck sein“, weiß Floristin Franziska Krüger. Seit 1999 arbeitet sie gegenüber des Offenbacher Neuen Friedhofs im Blumenhaus Karl. Häufig wird sie für die Trauernden zur Trösterin. „Man muss ein offenes Ohr für die Kunden haben und manchmal auch ein bisschen mehr Zeit einplanen. Wenn der Trauerfall noch nicht lange her ist, fließen da öfter mal Tränen. Da ist Einfühlungsvermögen gefragt“, berichtet Krüger.
Tannenzweige, Zapfen, Kätzchenzweige und dazu eine Proteablüte: Schlichte Gestecke in naturfarben verkaufen sich am besten. Das bestätigen auch Susanne Emde von Floraland-Graf in Dreieichenhain und Björn Finger von Blumen Pfeiffer in Neu-Isenburg. „Die älteren Kunden bevorzugen Naturtöne“, weiß Finger. Generell würden jüngere Kunden eher zum Strauß als zum Gesteck greifen.
Doch immer mehr Angehörige legen kaum noch Wert auf Grabschmuck, sagt Susanne Emde: „Durch die anonymen Bestattungen und Urnengräber gibt es immer weniger Menschen, die auf den Friedhof gehen und dort Gestecke niederlegen. Bei uns sind es meist die älteren Stammkunden, die Grabgestecke bestellen. Leider finden viele Menschen heute nicht mehr die Zeit, um sich darum zu kümmern.“

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