Renaissance im Kleiderschrank

Sexy: Das Korsett findet Weg zurück in die Modewelt

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Formschön und extravagant: Figurbewusste Frauen setzen auch für Galas oder Clubabende auf das Korsett.

Region Rhein-Main – Vorbei mit weiter und bequemer Garderobe. Das Korsett ist zurück. Als exklusives und erotisches Modeaccessoire für die figurbewusste Frau, die den Taillenformer gerne auch als Oberteil trägt. Von Dirk Beutel

Jetzt wird´s eng für so manche Frau. Denn es wird wieder geschnürt: Das Korsett ist auf dem Vormarsch. Raus aus der Fetisch-Ecke hin in die Kleiderschränke für die Abend-Garderobe. Erlaubt ist, was gefällt. Dabei wird das taillenformende Kleidungsstück mittlerweile nicht mehr drunter, sondern als erotischer Blickfang drüber getragen. Von wegen schmerzhafte Folter. Von wegen bis zur Atemnot eingeengt. „Das ist eine Mode für Individualisten, die längst auf glanzvollen Galas Einzug gehalten hat und sogar clubtauglich ist“, sagt Michael Lamann, Inhaber des Frankfurter Lifestyle-Geschäftes Sündige Mode. Die erotischen Kleidungsstücke sind salonfähig geworden. Dennoch führt das Korsett trotz allem weiterhin ein Nischendasein. „Aber das ist nichts Negatives. Es gibt viele Nischenprodukte, die nur zu speziellen Anlässen getragen werden oder nur von einer kleinen Gruppe von Interessenten gekauft werden. Nehmen sie etwa das Dirndl“, sagt Susanne Braasch. Ihr gehört das Kasseler Korsett Atelier, das deutschlandweit erste Fachgeschäft für Korsetts.

"Korsetts waren ursprünglich dazu da, den Körper zu formen"

Dabei räumt sie gleich mit einer gängigen Verwechselung auf. Dem zwischen Korsett und Korsage. Braasch: „Korsetts waren ursprünglich dazu da, den Körper zu formen und die gewünschte Figur unter der Garderobe zu erreichen. Ein Korsett tut dies heute noch, kann aber auch als Kleidungsstück sichtbar getragen werden. Korsagen betonen die Form des Körpers, sind aber wesentlich leichter gearbeitet. Der Hauptaugenmerk liegt auf der Optik und nicht auf der Funktion.“ Dass es Korsetts allerdings im modischen Alltag selten vorkommen, liegt vor allem daran, dass sie für unsere moderne Welt unpraktisch sind. Braasch: „Genauso wie ein Dirndl oder eine Trachtenlederhose. Diese Dinge trägt man zu besonderen Anlässen.“ Doch wer sich ein Korsett vorstellt, denkt fast zeitgleich an Schmerzen und Atemnot. „Als die Wespentaille für Frauen eine modische Pflicht war, ab dem 16. Jahrhundert, und das Korsett rund um die Uhr getragen wurde, ist es nicht verwunderlich, dass die Damen unter Schmerzen zu leiden hatten“, sagt Michael Lamann. „Aber diese Nachteile gibt es bei allen Dingen, die übertrieben werden, wie etwa das tägliche Tragen von Highheels, das den Körper auf Dauer auch über Gebühr beansprucht“, sagt Braasch.

Entscheidend ist das Körpergefühl

Also alles in Maßen. Dennoch: Entscheidend dabei sei immer das Körpergefühl. Denn auch moderne Korsetts liegen eng an und man muss sich an das Tragegefühl gewöhnen. Daher sollte man, um sein Ideal-Korsett zu finden, Zeit mitbringen. Lamann: „Mindestens 15 Minuten sollte eine Dame ein Korsett tragen und ausprobieren.“ Das Schnüren sollte man sich vom Fachmann mindestens einmal richtig zeigen lassen. Braasch: „Ein Korsett betont immer die Figur. Dies erzeugt ein sehr bewusstes Körpergefühl, verbunden mit einer geraden Haltung. Diese Gefühl spiegelt sich auch beim Auftreten und der Ausstrahlung der Person wieder.“

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