Eine Knete zum Reinbeißen

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Zuhause am Esstisch der Kaczmareks entstand die Idee zur Essknete, die sich auch backen lässt.

Idstein – Geschickt formt Stefan Kaczmarek aus der roten Masse eine Rolle, seine Frau Andrea bildet daraus die Buchstaben für „EXTRA TIPP“ und legt sie aufs Backblech. Zwischendurch nascht sie davon. Zum Schriftzug gesellen sich noch ein Apfel mit einem Wurm, ein Schmetterling und eine Raupe. Das Besondere am Teig: Es ist Essknete. Von Ingrid Zöllner

Frisch aus dem Backofen.

2006 ist die Idee entstanden. „Meine Töchter spielten am Tisch mit der üblichen Knete. Luisa nahm sie in den Mund, obwohl ich ihr gesagt hatte, dass sie es lassen soll“, erinnert sich der 41-Jährige. Nicht nur, dass sie furchtbar schmeckte, sie klebte auch an den Zähnen, der Geschmack blieb eine Weile haften. „Da sagte Sarah zu mir, dass ich doch Essknete machen soll“, erzählt er. Der Idsteiner nahm an, dass es so etwas Ähnliches schon im Internet gebe, die Suchmaschine erzielte jedoch keinen einzigen Treffer. „Da meine Töchter nicht locker ließen, haben wir in der Küche experimentiert“, sagt Kaczmarek. Sehr zur Freude seiner Frau, wie er augenzwinkernd erzählt.

Zuvor versuchte er noch, sich über die Inhaltsstoffe von normaler Knete zu informieren. „Über Umwege habe ich ansatzweise herausgefunden, was da alles an Chemikalien verarbeitet wird, unter anderem ein Stoff, der in der Chemie mit einem Totenkopf markiert ist“, sagt der Idsteiner. Auf keiner Packung steht, was enthalten ist und der Hersteller verweist auf sein Betriebsgeheimnis. Der Hinweis, dass sie nicht zum Verzehr geeignet ist, steht meist ganz klein auf einem winzigen Beipackzettel. „Das spornte mich erst recht an, eine essbare Knete herzustellen“, sagt Kaczmarek.

Das Ziel war eine Art Plätzchenteig aus Mehl, Zucker und Stärke. Nach einem halben Jahr und mehreren Versuchen gelang er dann – ein Teig, der leicht zu formen war, wie Plätzchenteig schmeckte, nicht klebte oder abfärbte, sich backen und formen ließ.

Inzwischen weltweit erhältlich

Wem die Figuren zu schade zum Essen sind, der lässt sie einfach ein wenig länger im Ofen, damit sie aushärten“, erklärt der „Chief Essknete Officer“, wie er sich aus Spaß nennt. Andrea Kaczmarek ist in der kleinen Firma die Knet- und Businessfrau. Die erste Hürde auf dem Weg in die Selbstständigkeit: „Wir mussten bei der ersten Herstellung 25 Tonnen Mischung, also 50.000 Packungen abnehmen. Da musste ich bei meiner Frau einiges an Überzeugungsarbeit leisten“, sagt Kaczmarek, der vorher in der IT-Branche tätig war. „Und wir wussten natürlich nicht, wie sie sich verkauft.

Im Jahr 2007 kam das Produkt auf den Markt. Die Fertigmischung für die Knete stellt die Firma Ruf her, die auch Backmischungen produziert. Auf der Packung sind Sarah und Luisa abgebildet, natürlich als Knetfiguren. Das Produkt ist inzwischen weltweit erhältlich und wurde in mehreren Ländern mit Preisen ausgezeichnet. Im Ausland erscheint das Produkt unter den Namen „Yummy Dogh“, was soviel wie leckerer Teig heißt. „Erst wollten wir jeder Farbe einen anderen Geschmack verleihen, aber beim Kneten mischt man die Farben ja auch“, sagt seine Frau.

Nach rund 20 Minuten klingelt der Wecker, die Figuren können aus dem Backofen. Verändert haben sie sich kaum, sie sehen ein klein wenig blasser aus, sind aber nicht aufgegangen oder verlaufen. Ein Biss hinein, es knuspert leicht. Egal, welche Formen und Farben in den Mund verschwinden, sie alle schmecken einfach nur lecker nach Plätzchen. Infos unter www.essknete.de.

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