Einbrecher steigen lieber eine Etage höher ein

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Weil Türen und Fenster in den Erdgeschossen gut gesichert sind, steigen immer mehr Wohnungseinbrecher in leicht überwindbare Fenster im ersten Stock ein.

Taunus – Weniger Straftaten und ein Rekord bei der Aufklärungsquote: Die Polizei im Main-Taunus-Kreis hat allen Grund zur Freude. Allerdings bereitet die Zunahme von Wohnungseinbrüchen den Ermittlern Kopfzerbrechen. Von Dirk Beutel

Die Entwicklung lässt zunächst aufhorchen: Vergangenes Jahr sind im Main-Taunus-Kreis doppelt so viele Menschen getötet worden wie 2010. In drei Mord- und fünf Totschlagsfällen mussten die Polizisten ermitteln. Im Fall des kürzlich verübten Mordanschlags auf einen Pizzeriabesitzer Bad Soden hat die Kripo bislang keine neuen Ergebnisse.

Trotzdem: Der Main-Taunus-Kreis ist nach wie vor einer der sichersten Landkreise in Hessen. Zumal die Taunus-Ermittler einen neuen Höchststand für das vergangene Jahr vermelden: Sie konnten ihre Aufklärungsquote von 57,2 auf 59,7 Prozent erhöhen. Gleichzeitig sank die Zahl der Straftaten um 8,5 Prozent. Wie Jürgen Moog, Leiter der Polizeidirektion Main-Taunus, bei der Präsentation der aktuellen Kriminalstatistik erläuterte, wurden 2011 insgesamt 11.801 Straftaten registriert. Das waren 1091 weniger als im Jahr zuvor.

Weiter großes Problem mit Sachbeschädigungen

Allerdings räumte Moog ein, dass der Landkreis weiterhin ein großes Problem mit Diebstählen und Einbrüchen hat. Für den Polizisten nicht verwundlich: „Hier leben überdurchschnittlich viele Wohlhabende, zumal die Verkehrsanbindungen im Landkreis hervorragend sind.“

An erster Stelle der verübten Straftaten rangieren jedoch die Sachbeschädigungen: „Hier verzeichneten wir eine Zunahme von jugendlichem Vandalismus“, sagt Moog. Interesant: Auffällig oft wurden Sachbeschädigungen in Verbindungen mit Festen oder Geburtstagsfeiern gemeldet. Mogg: „Im Alkoholrausch kam es vermehrt vor, dass junge Erwachsene im Übermut Autos zerkratzten oder Reifen zerstachen.“ Insgesamt wurden 1331 Sachbeschädigungen gemeldet. Im Vergleich zu 2010 ist das ein Rückgang um 229 Fälle. Davon wurden 355 Fälle geklärt, das entspricht einer Aufklärungsquote von 26,7 Prozent.

Neuer Einbruchstrend

Ein Negativtrend bereitet den Ermittlern allerdings weiter Kopfzerbrechen: Im vergangenen Jahr hat der Landkreis wieder mehr Wohnungseinbrecher angezogen. Im Jahr 2011 wurden 632 Einbrüche verzeichnet. Eine Steigerung um 65 Fälle, das sind 11,5 Prozent mehr als im Jahr davor. Gerade bei diesen Delikten spiele den Ganoven die gute Verkehrsanbindung im Landkreis und die Nähe zum Frankfurter Flughafen in die Karten. „Neben diversen Einzeltätern bekommen wir zum Teil Stress aus dem Osten. Dabei handelt es sich um hochorganisierte Banden“, sagt Moog. Allerdings habe sich die Herangehensweise der Einbrüche geändert: Die Zeit, die sich ein Einbrecher im Objekt aufhält, hat sich stark verkürzt. Statt wie früher größere Gegenstände zu klauen, konzentrieren sich die Gangster nun eher auf Schmuck und Bargeld.

Dabei hat die Polizei einen weiteren Trend beobachtet: „Weil Türen und Fenster im Erdgeschoss gut gesichert sind, benutzen immer mehr Einbrecher irgendwelche Steighilfen und dringen in das Gebäude durch Fenster im ersten Stock ein.“ sagt Moog: „Hier zeichnet sich ein neuer Trend ab.“ Wurde auf diese Weise im gesamten vergangenen Jahr in 17 Prozent der betroffenen Wohnungen eingebrochen, sind die Diebe in den ersten drei Monaten des neuen Jahres in 25 Prozent der Fälle durch den ersten Stock in ihr Objekt der Begierde gelangt. Vor allem in Schwalbach und Liederbach ist die Zahl der Wohnungseinbrüche im vergangenen Jahr auffällig gestiegen.

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