Der Ehrenkodex der Leibwächter

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Selbst das Aussteigen einer Schutzperson aus einem Flugzeug üben die Personenschützer des MEK, wie hier auf dem gestellten Foto.

Region Rhein-Main – Ob Prinz Charles oder der Dalai Lama: Sie alle hat er bei Staatsbesuchen in Hessen bereits beschützt. Er – Das ist der Chef des Mobilen Einsatzkommandos (MEK) Personenschutz. Aus Sicherheitsgründen wird sein Name nicht genannt. Dem EXTRA TIPP gewährt der höchste hessische Personenschützer trotzdem einen Einblick in den sonst streng geheim gehaltenen Alltag seines Jobs. Von Julia Renner

Der Schutz der hessischen Landesregierung ist sein Auftrag. Ob Ministerpräsident Volker Bouffier auf Auslandsreise geht oder Innenminister Boris Rhein Spendenbescheide überbringt – der Polizist ist entweder selbst mit dabei oder hat die Taktik mit entwickelt. Wie viele Personenschützer ihm unterstellt sind, darf und will er nicht sagen.

Flachgelegt: Personenschützer beim Selbstverteidigungstraining.

Geheimhaltung und Verschwiegenheit haben bei den Personenschützern höchste Priorität. Trotzdem weiß er, dass seine Mitarbeiter ihre Tätigkeit vor Freunden und Bekannten nicht komplett geheim halten können. Schließlich sehe man die Personenschützer oft auch auf Pressefotos oder im Fernsehen. Dem Lebenspartner zu sagen, dass man drei Tage mit dem Ministerpräsidenten unterwegs ist oder es abends spät wird, weil man jemanden zu einer Preisverleihung begleitet, sei ok. Dem Nachbarn dürfe man solche Informationen allerdings nicht anvertrauen.

Unterwegs mit Mitgliedern der Landesregierung oder Staatsgästen, machen die MEK-Mitglieder vor allem eins: Beobachten. „Wir suchen nach Leuten, die sich in unseren Augen auffällig verhalten“, sagt der MEK-Chef. Die Spezial-Polizisten versuchen, stets alles im Blick zu haben.

Ein harter Job, für den nicht jeder geeignet ist. Wer heute im Team des Kommandoführers ist, der hat als „normaler“ Polizist angefangen. „Wir werben in den eigenen Reihen.“ Drei Tage lang müssen sich die Interessenten dann erstmal beweisen: Sport, Psychologie, Intelligenz und Schießen. Wer die Tests besteht, durchläuft eine mehrmonatige Ausbildung. Was genau die angehenden Personenschützer lernen, sagt ihr Chef nicht. Unter anderem werden aber unterschiedliche Szenarien durchgespielt. Beispielsweise die Evakuierung der Schutzperson aus einer Gefahrenzone, auch Fahrsicherheitstrainings gehören zur Ausbildung. Nach etwa einem Jahr ist der Anwärter dann fit für den Einsatz.

Dass es dabei auch mal hart auf hart kommen kann, ist den Personenschützern bewusst. Ihre Aufgabe ist es, Leib und Leben einer anderen Person zu schützen. Und im Falle eines Schusswechsels oder eines Messerangriffs gilt eine Art Ehrenkodex. „Wir sehen uns nicht als Kugelfang“. Aber in „erhöhter Gefahrenlage“ würden sowohl seine Kollegen als auch er das machen, was die meisten nur aus Filmen kennen: Sich schützend vor einen anderen werfen und das eigene Leben riskieren.

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