Ehrenamtliche Retter von Morgen gesucht

+
Wie hier in Bad Soden wird auf Plakatwänden um Ehrenamtliche für die Freiwilligen Feuerwehren geworben.

Taunus – Feuerwehrleute löschen Brände, bergen Unfallopfer und retten Menschen aus Lebensgefahr – und das alles ehrenamtlich. Vielen Taunus-Bewohnern ist das gar nicht bewusst.Von Norman Körtge

Es sind gleichlautende Geschichten, die die beiden Kreisbrandinspektoren Joachim Dreier (Main-Taunus-Kreis) und Carsten Lauer (Hochtaunuskreis) erzählen können. Sie handeln von Bürgern, die zu einem Feuerwehrhaus in einer Taunus-Gemeinde kommen, um eine Frage zu stellen oder um sich zu bedanken – und sie stehen vor verschlossenen Türen. Niemand da. „Vielen ist gar nicht bewusst, dass es Freiwillige Feuerwehren sind, die mit Ehrenamtlichen besetzt sind“, sagt Dreier. Und die würden eben nicht im Feuerwehrhaus auf ihren Einsatz warten, sondern von ihrem normalen Arbeitsplatz dorthin eilen. Oder in deren Freizeit etwa den Schwimmbadbesuch sofort abbrechen sowie mitten in Nacht aus dem kuscheligen Bett stürzen.

Konkurrent Sportverein

Einige, die aus dem Frankfurter Stadtgebiet in den Taunus gezogen sind, würden eben nur die Berufsfeuerwehr kennen, hat Lauer einen Erklärungsversuch parat.

In Kelkheim übt die Jugendfeuerwehr mit dem Löschschlauch.

Es ist aber nicht dieses Unwissen, dass den Feuerwehren im Taunus zu schaffen macht. Vielmehr ist es, genug Freiwillige für die lebensrettende Arbeit zu finden. Zwar halten sich die Nachwuchssorgen bei den Wehren noch in Grenzen, aber die Arbeit, die sie in den Nachwuchs stecken müssen, ist viel mehr geworden. „Wir stehen in Konkurrenz zu Sportvereinen“, bringt es Lauer auf den Punkt. Dementsprechend früh beginnen die Feuerwehren deshalb, Kinder an sich zu binden. In den sechs Kelkheimer Stadtteilfeuerwehren gibt es deshalb auch unterhalb der Jugendfeuerwehr schon seit mehreren Jahren die Einsatzmöglichkeit als so genannter Mini-Löscher. Damit sollen Kinder ab sechs Jahren spielerisch an die Feuerwehr herangeführt werden, wie der stellvertretende Stadtbrandinspektor Reiner Fischer erklärt.

Kreisbrandinspektor Dreier nennt einen weiteren Anreiz: Da für Jugendliche die Mobilität eine große Bedeutung hat, gibt es auch Modelle, in denen ein Großteil des Führerscheins bezahlt wird, wenn sie sich im Gegenzug für mehrere Jahre zu einer aktiven Mitgliedschaft in der Einsatzabteilung entscheiden. Die Nachwuchsarbeit ist auch deshalb enorm wichtig, da es in den vergangenen Jahren immer schwieriger geworden ist, die Personalstärke für Einsätze vorzuhalten. Grund: In den Einsatzabteilungen sind auch etliche Berufspendler, die ihren Arbeitsplatz etwa in Frankfurt oder Wiesbaden haben und so tagsüber meist nicht zur Verfügung stehen.

Wie in Kelkheim werden deshalb für einen Einsatz immer mehrere Stadtteilfeuerwehren alarmiert. Das führt dann unweigerlich dazu, dass einige freiwillige Feuerwehrleute, die in anderen Ortsteilen wohnen, stärker belastet sind, sagt Reiner Fischer.

Kommentare