Echte Helden essen nach der Schlacht

Das Zelt von André Sarrasani und seinem Artisten-Ensemble steht derzeit auf dem Dern'schen Gelände in Wiesbaden. Zum Aufbau am Mittwoch lud der Zirkusstar auch Medienvertreter ein.

Die kamen zahlreich, denn als Lockmittel hatte Sarrasani den Selbstversuch im Todesrad oder auf dem Hochseil ausgelegt.

Der journalistische Jagdinstinkt der Redaktion ist geweckt und Norman Körtge als Opfer auserkoren. Brav setzt er beim „Todesrad“ sein Kreuzchen aufs Antwort-Fax, begleitet von ersten Beileidswünschen, Marke „wir werden Dich vermissen“. Denn die Recherche im Internet gibt allen Anlass dazu. Im Todesrad sind, so verlangt es die Konstruktion, keinerlei Sicherungsvorrichtungen möglich.

Halteseil, Fangnetz: Fehlanzeige.

Wenn's schief geht, knallt er im schlimmsten Fall aus acht Metern Höhe auf den Manegenboden, den Heldentod vor Augen. Tragödie im Komödienmantel, erste Notizen zur Trauerrede waren geboten.

In Wiesbaden angekommen und von Pressebetreuerin Kristine Bareuther in Empfang genommen, gibt es Brötchen, Kaffee und kalte Getränke. Die bleiben vorerst unberührt. Wahre Helden gehen hungrig in den Kampf. Und Angst ist ja auch ein guter Appetitzügler.

Das Duo „Hard Nock“, bestehend aus Freddy und Mica, führt kurz und knackig vor, wie es aussieht, wenn die Profis im Todesrad herumwirbeln. Nur durch die Verlagerung des Gewichtes und permanentes Vorwärtsgehen kommt die Höllenmaschine in Schwung. Für einen Moment weicht das angstvolle Stirnrunzeln beim Blick nach oben ehrlichem Erstaunen.

Freiwillige treten einen Schritt zurück

André Sarrasani bittet schließlich höchstpersönlich den ersten Delinquenten in die Manege. Nach dem Motto „beim ,Freiwillige vor‘ gehen alle einen Schritt zurück“, bleibt nur der EXTRA TIPP Redakteur stehen. Freddy gibt ihm eine kurze Einweisung und klettert dann schimpansengleich nach oben, um das Gegengewicht zu bilden. Absolutes Vertrauen zum Partner sei wichtig hat er vorher gesagt. Norman Körtge bleibt nichts anderes übrig.

Mehr Infos zum Zirkus unter sarrasani.de.

Mica lässt das Rad los. Körtges letzte Worte: „Ich tat es für den EXTRA TIPP.“ Langsam, quälend langsam, bewegt sich seine Hälfte des Metall-Ungetüms Richtung Zirkushimmel. Nach einer halben Minute ist er oben und seine Hände umklammern haltsuchend den Käfigrand. Nur für ein kurzes Winken lässt der todesmutige Zeitungsmann los. Dabei hat er, so sagt er später, das Schlimmste noch vor sich. Freddy bewegt sich nach vorne und Norman damit abwärts. Runter, wieder hoch, und nochmal runter – Ende. Das Todesrad ist besiegt. Applaus von Kollegen, Artisten und Sarrasani selbst.

Ein leises „Ach du Scheiße“, entfährt dem wackeren Kämpfer, er atmet schwer. Er kann nun wählen: Kristine Bareuthe bietet Hochseil oder Brötchen an, seine Wahl fällt auf Letzteres. Ob er es nochmal wagen würde? „Na klar.“ Und dann vielleicht auch auf das Hochseil.

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