Dreijährige aus Dreieich auf Gipfel des El Teide

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Emil Konstatinow mit seiner Frau und der Tochter Laura auf dem Rücken auf dem Weg zum Gipfel des El Teide.

Dreieich – Bergsteiger Emil Konstatinow aus Dreieichenhain ist auf den 3718 Meter hohen El Teide gestiegen. Nichts besonderes, hätte der geborene Bulgare nicht die ganze Zeit seine dreijährige Tochter auf dem Rücken. Von Emil Pathe

EXTRA TIPP: Emil Konstatinow, Sie sind in der Region bekannt geworden durch ihr Buch „Eiger – Traum und Wirklichkeit“, in dem Sie Ihre Erlebnisse als Extrembergsteiger schildern. Gab es inzwischen ein neues Abenteuer?

Konstatinow: Ja. Ich war schon mehrere Male auf Teneriffa, aber ich war noch nie auf El Teide, dem mit 3718 Meter höchsten Gipfel Spaniens.

EXTRA TIPP: Waren Sie erneut allein unterwegs?

Konstatinow: Diesmal nicht. Wir, meine Tochter, meine Frau, ein Freund und ich, sind vier Tage vorher angereist. Als ich El Teide in seiner ganzen Pracht vor mir sah, hüpfte mein Herz voller Vorfreude. Als Extrembergsteiger und Bergführer hatte ich keine Sorge um meine Frau und mich gehabt. Hier sollte aber etwas Besonderes geschehen: Die Besteigung mit meiner kleinen Tochter auf dem Rücken.

EXTRA TIPP: Mit was haben Sie sich bei diesem Vorhaben vorher beschäftigt?

Konstatinow: In der Nacht vor der Besteigung schlief ich schlecht. Schaffen wir es morgen alle zusammen? Wie kalt wird es dort oben sein? Wie viele Stunden werden wir brauchen? Wie wird es für meine Tochter Laura sein?

EXTRA TIPP: Von wo aus sind Sie gestartet?

Konstatinow: Wir haben an einem Ausgangspunkt auf 2100 Meter im Zelt übernachtet. Am Morgen war es sonnig, aber windig. 1600 Höhenmeter zu überwinden.

EXTRA TIPP: Wie hat das mit Laura funktioniert?

Konstatinow: Laura habe ich im Rucksack getragen. Mit ihr, Proviant und Kleidung wog er 20 Kilo; das ist ein Drittel meines Körpergewichts. Ich kenne die Anstrengungen von meinen Expeditionen im Kaukasus und in Asien, deswegen wusste ich, der Tag wird nicht leicht. Laura hat sich ständig hin und her bewegt, was mir das Tragen nicht leichter machte. Plötzlich wollte sie selbst laufen. Das war eine gute Idee von ihr, allerdings interessierte sie jedes Steinchen, so dass wir kaum vorwärts kamen.

EXTRA TIPP: Das klingt alles ziemlich problemlos. Gab es keine Schwierigkeiten?

Konstatinow: Nach etwa 2,5 Stunden Aufstieg erreichten wir eine kleine Hütte, in der es einen Getränkeautomaten gab. Wir tranken heiße Schokolade, denn es wurde noch windiger und Nebel zog auf. Laura wollte schlafen. Aber es fiel ihr schwer, da beim Gehen ihr Kopf ständig hin und her rollte und der Wind ihr ins Gesicht pfiff. Zudem wollte sie von Mami getragen werden, aber meine Frau war selbst müde. Wir haben den Rucksack getauscht. Dadurch ging es sehr langsam weiter. Ich habe versucht meine Frau von vorn zu ziehen, aber es war noch sehr schwer.

EXTRA TIPP: Kam Ihnen der Gedanke umzukehren?

Konstatinow: Doch, den hatte ich. Die Landschaft war oben vereist und noch kälterer Wind kam auf uns zu. Der Nebel machte die karge Landschaft gespenstisch. Ich wusste, dass in 3500 Meter Höhe ein Gebäude des Liftes lag. Von da an waren es nur noch 200 Meter bis zum Gipfel. Nach einer weiteren reichlichen Stunde hatten wir diese Etappe endlich geschafft. Der restliche Weg war noch steiler. Meine Frau, mein Freund und ich haben uns in kurzen Abständen mit dem Tragen unserer Kleinen abgewechselt. Vielleicht 50 oder 60 Meter vor dem Gipfel schlug meine Frau vor, mit Laura hier zu warten, während wir Männer allein weitergehen sollten, aber ich wollte, dass wir es zusammen schaffen.

Plötzlich, wie aus dem Nichts, tauchte der riesige Krater auf. Laura war wohl die Jüngste, die je auf Spaniens höchstem Berg stand.

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