Er hat den Dreh raus

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An seinem Schreibtisch übt David Kling täglich mit verschiedenen Zauberwürfeln. Fürs Training nach Zeit nutzt er das offizielle Zeitmessgerät.

Oberursel – Es war das Lieblingsspielzeug der Jugend in den 80er-Jahren. Fast jeder hat es gedreht und fluchend in die Ecke geworfen. Jetzt feiert der Zauberwürfel seine Rückkehr. David Kling beherrscht den Knobelwürfel so gut, dass er bei den German Open im Speedcubing antritt. Von Andreas Einbock

David Kling liebt Ordnung und System. Kein Wunder, dass Mathematik und Physik die Leistungsfächer des Oberurseler Abiturienten sind. „Ich mag es, wenn man einen theoretischen Ansatz mit der Praxis verbinden kann“, sagt der 18-Jährige und legt sich einen der vielen bunten Zauberwürfel auf dem blauen Wettkampftuch zurecht.

Auf dem beginnt in einem Display die Zeit zu laufen, als er seine beiden Hände von den Kontaktflächen abhebt. Ohne Pause rotiert das Sportgerät zwischen seinen Fingern. Nach etwa sechs Sekunden sind zwei Farbflächen komplett. Vollständig geordnet setzt Kling den Würfel ab und schlägt mit den Fingern auf die Zeitkontakte. „18,55 Sekunden“ erscheint im Display. „Sieben Sekunden über meiner Bestzeit“, stellt er fest. Der Weltrekord liegt sogar bei nur 7,08 Sekunden.

Trick der Rechen-Weltmeister hilft beim Drehen

Im Prinzip sei es ganz einfach. „Ich merke mir die Farben aller vier Ecksteine einer Seite und dann die zwölf Kantensteine einer Ebene“, erklärt Kling und fügt hinzu: „Dann beginne ich, die weiße Fläche zu lösen.“ Dabei helfe ihm ein Trick, den auch Rechen-Weltmeister anwenden: „Für mich hat jeder Stein einen Konsonanten und jede Seite einen Vokal. Dann denke ich mir Geschichten mit Gegenständen aus, die ich sehe, wenn ich zum Beispiel durch einen Garten gehe.“ Seit einem Jahr trainiert er sogar mit verbundenen Augen und braucht nur vier Minuten.

Begonnen hat es vor drei Jahren, als er zu Weihnachten einen Würfel geschenkt bekommen hat. Den Klassiker – erfunden vom Ungarn Erno Rubik. „Den habe ich nicht mehr, weil es mir zu langweilig wurde“, so Kling. An seinen aktuellen Würfeln nimmt er manchmal eine Feinjustierung vor. Mit ein paar Handgriffen bastelt er seinen Wettkampfwürfel auseinander, bis nur noch das Basiselement zu sehen ist. „Das ist das Core. An dem kann man die Spannfedern nachstellen und mit Silikonspray die Festigkeit der Achsen bestimmen“, erklärt Kling, während er einen Tropfen aufs Achsenkreuz verteilt.

Neue Zauberwürfel haben viele Formen

Der einfache Würfel reicht den Profis nicht: David Kling trainiert mit dem zwölfseitigen Megaminx, dem kugelähnlichen Rubik's 360, dem Pyraminx und dem 7x7x7-Würfel.

Nach demselben Prinzip funktionieren auch die anderen, noch verrückter aussehenden Zauberwürfel. Mit der klassischen Form sei der „7x7x7-Würfel“ mit sieben Steinen je Seitenebene der Größte. Aber auch der „Megaminx“ genannte Dodekaeder und der Pyramidenwürfel „Pyraminx“ wirken für Laien unlösbar. So auch der neueste Würfel, der eine Kugel ist: Der „Rubik's 360“. Der besteht aus drei in-einander gesteckten Kugeln, durch die sechs farbige Bälle von der innersten in die äußerste Kugel navigiert werden müssen.

Doch diese Kugel stehen am 9. und 10. April nicht auf dem Programm. Denn bei den German Open in Gütersloh steht der klassische Dreier-Würfel im Fokus.  Kling: „Besonders mit verbundenen Augen und einhändig verspreche ich mir gute Platzierungen.“

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