Kein Notdienst, weniger Geburtshilfe und Kündigungen

Drastische Änderungen für das Krankenhaus St. Rochus

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Informierten am Mittwochnachmittag über einschneidende Veränderungen am Dieburger Krankenhaus (v. l.): Angelo Stipinovich, Frank Bletgen, Alexander Vogl und Werner Thomas.

Dieburg – Personal wird gekündigt, der Notdienst ist Geschichte und die Geburtshilfe steht auf der Kippe: Weil das Dieburger Krankenhaus St. Rochus sparen muss, drohen einschneidende Veränderungen. Von Jens Dörr

Es ist in der Region eins der letzten kleinen Krankenhäuser, das auf eigene Faust zu überleben versucht: Das St. Rochus in Dieburg. Im 100-Betten-Haus, das über eine Stiftung dem Bistum Mainz und damit der Katholischen Kirche gehört, ist nun die Zeit der großen Veränderungen gekommen. In der Vorwoche sickerte ein Restrukturierungskonzept durch, ehe eine Pressemeldung des Bistums den Abbau von 40 der 150 Vollzeitstellen kundtat. Am Mittwochnachmittag nahmen die Verantwortlichen - Geschäftsführer Frank Bletgen, Bistums-Krankenhaus-Fachmann Angelo Stipinovich, Vorstand und Dieburg-Pfarrer Alexander Vogl sowie Kuratoriumsvorsitzender und Dieburg-Bürgermeister Werner Thomas - ausführlich zur Zukunft der Klinik Stellung.

Vorgenommene Veränderungen

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Wesentliche Punkte: Ein Großteil der Stellen wird über Kündigungen abgebaut, das Haus soll eine strukturelle Neuausrichtung erhalten, der Notdienst ist in Kürze passé und die Geburtshilfe steht auf der Kippe.

Geschäftsführer Bletgen betonte, es werde zu viel über Kosten und Finanzen gesprochen - und das vor allem losgelöst vom Auftrag der bestmöglichen Patientenversorgung nach christlichem Leitbild: „Die Patientenversorgung ist unsere zentrale Aufgabenstellung - nicht der Profit. Diese Aufgabe untersteht aber bestimmten Pflichten und Rahmenbedingungen.“ Das Bistum will das Haus in Dieburg erhalten, sich aber das zuletzt jährlich auflaufende Defizit von drei Millionen Euro nicht mehr leisten und nicht mehr aus der Kirchensteuer ausgleichen. Der sukzessive Ausgleich des St.-Rochus-Haushalts sei notwendiges Mittel zum Zweck, stellte Stipinovich heraus. Die schwierige wirtschaftliche Lage habe tiefgehende, teils systemische Ursachen. Die Auslastung des Hauses - auch seiner Intensivstation mit dem Steckenpferd Weaning (Entwöhnung vom Beatmungsgerät) - sei gut.

Kurzfristig die Leidtragenden sind 29 Mitarbeiter, denen gekündigt wird beziehungsweise denen der Wechsel in eine Transfergesellschaft angeboten wurde. Elf Stellen sollen sozialverträglich abgebaut, also bei altersbedingtem Ausscheiden nicht neu besetzt werden. Das betrifft fast alle Bereiche im Haus, Ausnahme ist die Intensivstation. Bis zum Donnerstag mussten sich die Mitarbeiter entscheiden, hatten dafür eine Woche Zeit bekommen. Die Mehrheit nehme das Angebot an, so Stipinovich. Ein Teil werde abgefunden. Die Kosten für die Personalreduzierung bezifferte er bei 1,5 Millionen Euro.

Umstrukturierung bei Personal und Fachbereichen

Das ist eben jener Betrag, der künftig jährlich durch das abgebaute Personal mindestens eingespart werden soll. Um „bis 2016 eine schwarze Null“ zu erreichen (Stipinovich) und weiter dem Versorgungsauftrag gerecht zu werden, müssten aber weitere Schritte folgen. Bletgen nannte etwa die Besetzung neuer Nischen wie der Gefäßchirurgie und der Altersheilkunde. Unter die Lupe genommen werden sollen die Verträge mit den Belegärzten, von denen auch neue hinzugewonnen werden sollen. Zudem würden die Fusionsverhandlungen mit den Kreiskliniken Darmstadt-Dieburg und dem Klinikum Darmstadt in Kürze wieder aufgenommen. Kaum mehr zu halten ist hingegen die Geburtshilfe. „Nur“ noch 300 Kinder pro Jahr kämen im Dieburger Krankenhaus zur Welt. Das könne nur noch bis Ende Juni garantiert aufrecht erhalten werden. Entscheidend sei, ob man bis dato neue Belegärzte für die Geburtshilfe finde.

Bereits am morgigen Montag ist der letzte Tag des Notdiensts am Dieburger Krankenhaus, der in den vergangenen Jahren die Erstuntersuchung und Aufnahme durch Dieburger Ärzte auch abends und am Wochenende sicherte. Patienten müssen ab dem 1. April nach Groß-Umstadt fahren oder mit einem Vertretungssystem der niedergelassenen Dieburger Ärzte Vorlieb nehmen. Ausgenommen sind natürlich weiterhin besonders akute Fälle, zu denen der Notarzt gerufen wird.

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