Dose und Weinglas statt Geripptes

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Michael Stöckl aus Weilrod im Taunus ist Deutschlands erster Apfelweinsommelier. Für das Buch „Apfelwein 2.0“ hat Fotografin Angelika Zinzow ihn so in Szene gesetzt.

Region Rhein-Main – Von wegen der Apfelwein ist in der Krise. Er erlebt gerade eine Renaissance. Allerdings in einem anderen Gewand. Davon sind nicht nur die Macher des Buches „Apfelwein 2.0“ überzeugt, das diese Woche in den Handel gekommen ist. Von Norman Körtge

Seit etwa 15 Jahren beobachtet Ingrid Schick die Entwicklung regionaler Produkte. Und dazu gehört für sie selbstverständlich der Apfelwein. Das sich hinter dem traditionellen Getränk viel mehr verbirgt als die in der breiten Öffentlichkeit bekannte Blaue-Bock- und Zecher-Schoppen-Mentalität, wurde der Buchautorin und Trendforscherin schnell bewusst. Schließlich hat sie sich mit Fotografin Angelika Zinzow auf den Weg gemacht, auch weit über die Grenzen Hessens hinaus, um zu dokumentieren, wie vielfältig, innovativ und auch edel das Stöffche sein kann.

Die Odenwälder Kjetil Dahlhaus (links) und Benedikt Kuhn haben dem Apfelwein eine trendige Verpackung gegeben. Für das Buch „Apfelwein 2.0“ hat Fotografin Angelika Zinzow sie so in Szene gesetzt.

Kennen gelernt haben sie dabei Benedikt Kuhn und Kjetil Dahlhaus aus dem Odenwald. „Dosenobst auf hessisch“ nennen sie scherzhaft ihr Produkt, das unter dem Namen „Bembel with care“ firmiert. Sie füllen den Apfelwein seit 2007 in trendige, schwarz-weiß-silbrige Dosen sowie Partyfässer und erobern damit nicht nur die hiesigen Supermarkt-Regale, sondern auch Szene-Läden in Berlin und Hamburg. „Für Exil-Hessen liefern wir auch bis nach Nigeria“, erzählt Dahlhaus.

Aber auch die Frankfurter Eis-Macher mit ihrem „Frozen Stöffche“ oder Apfel-Winzer aus Norddeutschland sind auf den 206 Seiten in „Apfelwein 2.0“ porträtiert.

Das Buchcover von "Apfelwein 2.0".

Ganz edle Apfelweine hat Andreas Schneider vom Obsthof am Steinberg in Nieder-Erlenbach im Angebot. Er experimentiert mit Apfelsorten, baut seltene Sorten wie die Ananasrenette an und achtet auch auf Sortenreinheit. Damit seine Weine atmen können, werden diesen eben in bauchigen Weingläsern serviert. Schneider stellt aber auch klar: „Es soll und muss auch den gewöhnlichen Haus-Schoppen geben, der im Bembel und Gerippten an den Tisch kommt. Das ist Tradition.“

Apfelwein im Römer

Um zu zeigen, wie vielfältig die Welt des Apfelweins ist, lädt Schneider zusammen mit Deutschlands erstem Apfelweinsommelier, Michael Stöckl aus dem Taunus, für Sonntag, 13. März, ab 14 Uhr zu „Apfelwein im Römer“ mit 250 Weinen von 40 Winzern aus acht Ländern. Infos und Karten unter http://www.apfelwein-im-roemer.de.

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