Wenn der Vermieter die Handwerker schickt

Das wird teuer: Doppelte Miete wegen Sanierung

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Beim Blick in den Sanierungsplan des Vermieters macht sich bei vielen Angst vor den Mehrkosten breit.
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Frankfurt – Der Deutsche Mieterbund hat erneut eine Obergrenze für Mieterhöhungen nach Sanierungen gefordert. Auch in Frankfurt müssen Bewohner nicht selten rund 400 Euro draufzahlen – oder ausziehen. Von Franziska Jäger

Kommen die Handwerker ins Mietshaus, gibt´s schlimmstenfalls neben Dreck und Lärm noch eine saftige Mieterhöhung. Der Deutsche Mieterbund kritisiert nun erneut die hohe finanzielle Belastung durch Luxussanierungen in Metropolen wie Frankfurt. Hier könne die Miete nach einer Sanierung das Doppelte oder mehr betragen.

„Die extremen Mieterhöhungen aufgrund von Modernisierungen, insbesondere im Ballungsgebiet Rhein-Main, haben innerhalb der letzten zehn Jahre deutlich zugenommen“, sagt Eva-Maria Winckelmann vom Deutschen Mieterbund Landesverband Hessen. Und in Frankfurt bestätigt Rolf Janßen, Geschäftsführer des Mieterschutzvereins: „Mieterhöhung ist bei uns ein Dauerthema“. Jährlichkann der Vermieter elf Prozent der Investitionskosten auf die Miete umlegen. Für die Frankfurter Mieter bedeutet das nicht selten einen monatlichen Aufschlag von 200 bis 400 Euro, sagt Janßen.

Mieter sollen aus der Wohnung gemobbt werden

Wer beim Mieterschutzverein anruft, möchte wissen, ob eine Erhöhung gerechtfertig ist und verhindert werden kann. In den meisten Fällen zieht der Mieter den Kürzeren. So wie die hilfesuchende Frau, die erst kürzlich aus ihrer Wohnung ausziehen musste, weil sie sich nach dem Einbau eines Aufzugs die Miete nicht mehr leisten konnte. „Manchmal werden uns auch regelrechte Schreckszenarien geschildert, die den Eindruck erwecken, dass die Mieter durch Baumaßnahmen aus der Wohnung geworfen werden sollen“, sagt Janßen. Die Nachfrage nach hochwertigen Innenstadtwohnungen ist hoch. Die Objekte werden nach der Sanierung deutlich teurer vermietet oder mit hohem Gewinn verkauft.

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Die im letzten Jahr eingeführte Mietpreisbremse ist in solchen Fällen nutzlos, da sie nur beim Abschluss neuer Verträge Gültigkeit besitzt. Und selbst dann sind solche Wohnungen ausgeschlossen, die zuvor für mehr als ein Drittel der vergleichbaren Neubaukosten saniert wurden. Eine Abwälzung der Sanierungskosten auf die Mieter darf bei Maßnahmen erfolgen, die zur Einsparung von Energie oder einer Verbesserung der Wohnsituation führen. Dazu zählen beispielsweise der Einbau einer Heizungsanlage oder der Anbau eines Balkons. Keine Mieterhöhung darf bei verpflichtenden Instandsetzungen wie einem neuen Außenputz erfolgen. Über die Modernisierungsmaßnahmen müssen Mieter drei Monate im Voraus in Textform informiert werden. Andernfalls müssen die Handwerker nicht in die Wohnung gelassen werden.

„Einen rechtlichen Einwand gegen eine Erhöhung können Mieter nur dann erheben, wenn die Mietkosten nach der Modernisierung 50 Prozent des eigenen Nettoeinkommens überschreiten“, erklärt Janßen. Es liegt dann ein sogenannter Härtefall vor. Den Geschädigten wird in solchen Fällen zum Rechtsbeistand geraten. „Bei den Gerichten gibt es da aber keine einheitliche Linie“, sagt Janßen. Vermieter gingen sogar so weit, nach zusätzlichen Vermögenswerten der Kläger zu suchen.

Der Deutsche Mieterbund fordert deshalb eine Obergrenze, etwa, dass die bisherige Miete nicht um mehr als 50 Prozent erhöht werden darf. Die Bundesregierung will nun im zweiten Teil ihr Mietrechtsreform eine solche Grenze festlegen. Einen konkreten Gesetzentwurf gibt es noch nicht.

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Franziska Jäger

Franziska Jäger

E-Mail:franziska.jaeger@extratipp.com

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