Stadtteilserie

Frankfurt-Seckbach: Landluft statt Großstadt-Trubel

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Blick durch die Zentgrafenstraße zur Marienkirche.

Frankfurt-Seckbach - Die Einwohner Seckbachs lieben ihren Stadtteil, weil es sich dort mitten in der Stadt wie auf dem Land lebt.

Und das, obwohl das Stadtteilzentrum Seckbachs nur etwa fünf Kilometer nordöstlich vom Zentrum der Frankfurter Innenstadt liegt. Bekannt ist es vor allem durch den Lohrberg, der zum sogenannten Berger Rücken gehört. Er ist der östlichste Ausläufer des Rheingau. Dort ist auch dessen kleinste Weinlage beheimatet, der Lohrberger Hang. Der früher umfangreicher als heute betriebene Weinbau ist großteils Streuobstwiesen gewichen. Diese bilden das größte zusammenhängende Streuobstwiesengebiet Hessens.

Am östlichen Rand Seckbachs, an der Berger Warte und der Leopoldsäule, liegt der höchste Geländepunkt Frankfurts mit 212 Metern. Das Besondere an Seckbach ist dessen zum Teil noch erhaltene dörfliche Struktur mit seinen Fachwerkhäusern. Dort steht eines der am besten erhaltenen fränkischen Fachwerk-Ensembles in Frankfurt. Der Stadtteil besteht heute aus einem mehr oder weniger gewerbefreien kleinen Gebiet mit Bebauung und Parklandschaft im Westen. In der Mitte, die zusammenhängend besiedelt ist, gibt es nur einen geringen Anteil an Gewerbetreibenden. Erst in der Seckbacher Niederung, im Südosten, folgt ein größeres Industrie- und Gewerbegebiet.

Funde aus römischer Epoche

Und offenbar wurde Seckbach auch schon in prähistorischer Zeit besiedelt, darauf weisen Bodendenkmäler hin, die hier gefunden wurden. Zudem wurden dort Reste einer Jupitergigantensäule aus der römischen Epoche ausgegraben. Die erste Erwähnung Seckbachs stammt allerdings erst aus dem Jahr 882. Im Lorscher Kodex wurde der kleine Stadtteil als „Seckibah“ bezeichnet. Im Lorscher Reichsurbar wird Seckbach als karolingisches Königs- und Fiskalgut genannt, das im sogenannten Niddagau lag. 947 schenkte König Otto I. seinem Meier Wetti eine königliche Hufe zu Seckbach.

Info: „Unser Stadtteil stellt sich vor“, so heißt unsere Serie. Wir stellen Sehenwürdigkeiten, Kuriositäten und Spezialitäten der Frankfurter Stadtteile vor. Immer auf das Ortsschild achten.

Im zweiten Weltkrieg wurde Seckbach dann Opfer der Bombenangriffe. 33 Menschen starben dabei. Außerdem wurde die evangelische Marienkirche zerstört. Große Baumaßnahmen der Zeit des Wiederaufbaus waren die Zentgrafensiedlung, der Neubau der katholischen Kirche Maria Rosenkranz, der Berufsgenossenschaftlichen Unfallklinik und der Deutschen Buchhändlerschule. 1968 wurde das Altenheim der Henry und Emma Budge-Stiftung eröffnet.

1981 blickte dann ganz Deutschland auf Seckbach. Am 11. Mai wurde dort in seinem Wohnhaus der hessische Wirtschaftsminister Heinz-Herbert Karry aller Wahrscheinlichkeit nach von den Revolutionären Zellen erschossen. Später wurde eine Verbindung zum Grünen-Politiker Joschka Fischer gezogen: Sein Auto war im Jahre 1973 für den Transport der späteren Tatwaffe verwendet worden. Fischer nahm Stellung und erklärte, der Terrorist Hans-Joachim Klein habe ihm einen neuen Motor eingebaut. Erst später habe er erfahren, dass mit dem Auto Waffen transportiert wurden.

Fotos aus dem Stadtteil Seckbach

Frankfurt-Seckbach in Bildern

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