Viele Schüler, Rentner und Migranten können nicht richtig schwimmen

Können wir uns noch über Wasser halten?

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Können wir uns noch über Wasser halten?

Region Rhein-Main – Es ist das erste Sommerferienwochenende und das Wetter spielt mit: Sonnenschein und 26 Grad. Die Schwimmbäder und Badeseen der Region dürften gut besucht sein. Die meisten von ihnen suchen die Abkühlung, die wenigstens wollen Bahnen schwimmen. Von Norman Körtge

Weil viele auch gar nicht richtig Schwimmen können.  Der EXTRA TIPP hat mit sich mit Menschen unterhalten, die sich auf unterschiedliche Art und Weise mit dem Schwimmen beschäftigen und ihrerseits damit Akzente setzen.

Der Lebensretter:

Hessens DLRG-Vorsitzender Thorsten Reus

200 Meter Schwimmen in maximal 15 Minuten, Herausholen eines Gegenstandes aus zirka zwei Meter tiefem Wasser und ein Sprung vom Einmeterbrett – dafür gibt’s das Deutsches Jugendschwimmabzeichen in Bronze, früher als Freischwimmer bezeichnet. Für Thorsten Reus, Vorsitzender der DLRG Hessen , fängt mit dem Erwerb dieses Abzeichens das sichere Schwimmen an. Aber laut einer Forsa -Umfrage hat jedes vierte Kind, das die Grundschule verlässt, diese Fähigkeiten nicht erworben. „Viel zu viel“, wie Reus meint. Die Umfrage ergab auch, dass Kinder mit Migrationshintergrund oft schlechtere Schwimmer sind, weil es von ihren Eltern nicht vorgelebt wird. Erschwerend hinzu kommt, dass der Schwimmunterricht an vielen Schulen durch möglicherweise geschlossene Hallen- und Freibäder länger geworden ist und damit Zeit für den eigentlichen Schwimmunterricht fehlt. Im Blickpunkt stehen aber auch die Älteren. Jeder zweite Ertrinkungstode in Deutschland ist über 50 Jahre alt. Ein Erklärungsversuch dafür: Es ist die Generation, die größtenteils ohne Schwimm- und Hallenbäder aufgewachsen ist. Der Bauboom begann erst in der 60er Jahren. Richtig schwimmen gelernt haben viele aus dieser Generation nicht. Und dann überschätzen sie ihre Kraftreserven. „Beim Marathon kann man sich vielleicht noch ins Ziel schleppen, beim Schwimmen nicht“, sagt Reus.

Der Vereinsvorsitzende:

EOSC-Vorsitzender Matthias Wörner

„Schwimmen ist uncool geworden“, meint Matthias Wörner, Vorsitzender des Ersten Offenbacher Schwimmclub ( EOSC ), der auch das Schwimmbad auf der Rosenhöhe betreibt. Mit Schwimmen meint er das sportliche Schwimmen. Gerade bei Kindern und Jugendlichen stehe das Bahnenschwimmen nicht Hoch im Kurs. Sie ziehe es lieber in die sogenannten Spaßbäder mit Rutschen und Kletterwänden. Die Anfängerschwimmkurse beim EOSC seien aber gut besucht.

Die Schwimmlehrerin:

Schwimmlehrerin Karin Klink

Die in Mörfelden-Walldorf lebende Karin Klink bringt Kindern aber auch Erwachsenen das Schwimmen bei. Die Herangehensweise ist bei Jung und Alt ähnlich, aber die es gibt unterschiedliche Ängste: „Die Erwachsenen denken einfach mehr nach“, meint Klink. Erfolgreich ist sie derzeit mit Frauenschwimmkursen im Programm „Integration durch Sport“ der Sportjugend Hessen , das durch Peter Metz Vom Integrationsbüro Mörfelden-Walldorf vorangetrieben wurde. Es sei einfach schön zu erleben, wie muslimische Frauen merken, wie gut für sie das Schwimmen ist und sie dadurch auch Selbstvertrauen gewinnen, berichtet sie. Und als nächsten Schritt gehen sie vielleicht mir ihren Kindern schwimmen.

Der Brückenbauer:

Volker Rehm koordiniert "Integration durch sport"

 Volker Rehm ist der Koordinator „ Integration durch Sport “ und damit Verantwortlich für die Frauenschwimmkurse. Für ihn ist die Separierung notwendig, damit gerade muslimische Frauen überhaupt erst zum Schwimmen kommen. Er sagt aber auch explizit, dass die Kurse für alle Frauen sind, gleich welcher Religion oder Nationalität. Es soll eine Art Integrationsbrücke sein. Dazu gehöre es auch, dass das Tragen eines Burkinis, also einer Badekleidung gemäß islamischer Kleidervorschriften, die die nackte Haut bedeckt, im Schwimmbad zur Normalität gehört – für Badegäste und Schwimmmeister.

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