DJ-Schule lehrt, auf Schläge zu hören

Der Unterricht geht weiter: Martin Hübscher (links) setzt seinen Kopfhörer auf. DJ-Schüler Sascha hört genau auf den Beat (zu deutsch: die Schläge). Er wartet auf seinen Einsatz.Fotos (2): dre

Rhein-Main -

Offenbach – „Nicht drücken, schieben“, ermahnt DJ-Lehrer Martin Hübscher seinen Schüler Sascha. „Stell dir den Schiebesteller wie einen Kopf vor, an dem ganz feine Härchen sind, die kaputt gehen, wenn du drauf drückst“, erklärt er und fügt mit einem Lächeln hinzu „heißt ja nicht umsonst Schieberegler.“ Der 38-Jährige lehrt an der Vibra School of DJing in Offenbach. Dort bringt er seinen Schülern bei, die vielen Knöpfe und Regler am DJ-Pult zu bedienen – mit allen technischen Finessen. Doch wer groß rauskommen möchte, braucht Talent und vor allem Kontakte.

Wieder setzen die treibenden Beats – Schläge – ein: „13, 14, 15“, zählt Hübscher. Konzentriert versuchen Sascha und Mitschüler Tobias zu folgen. Sie sollen eine Endlosschleife erzeugen, einen Titel ohne Stocken in den anderen überleiten. Immer wieder korrigiert Hübscher die beiden, zählt erneut: „13, 14, 15“. Trotzdem will der fließende Übergang zwischen den zwei Liedern nicht klappen.

„Es dauert ein Jahr, bis jemand die Grundlagen gelernt hat, um in einem Club auflegen zu können“, sagt Hübscher. Für talentierte Schüler organisiert er kleine Auftritte, zum Beispiel in einem Bauwagen am Offenbacher Mainufer.

„Ich wollte schon immer DJ werden“, sagt Sascha. „Für die große Karriere bin ich schon zu alt, aber es ist mein Traum, dass ich mal in einem Club auflege.“ Seit vier Monaten nimmt der 27-Jährige Unterricht bei Hübscher. „Ich war blutiger Anfänger“, gesteht er. Mittlerweile weiß er, wofür die Regler und Knöpfe stehen. Doch sie zu beherrschen ist eine Kunst, die nicht so schnell zu erlernen ist. So habe er erfahren, dass der „Pitch-Regler“ wie ein Gas- und Bremspedal beim Auto das Tempo bestimmt. „Es gibt hunderte Fachbegriffe beim DJing“, verrät Hübscher. Die meisten DJs bringen sich selbst das Auflegen bei. Das sei aber längst nicht so effektiv wie der Unterricht.

Hübscher selbst hat schon in diversen Clubs in Frankfurt und Umgebung wie dem Cooky‘s, Hafen 2 oder dem O25 aufgelegt. Seinen größten Auftritt hatte er vor tausenden Hip-Hop-Fans auf dem Splash-Festival – einem der größten Europas. Regelmäßig legt er bei Radio X auf. Schon als Zwölfjähriger stand er an den Plattentellern. Damals gab es noch keine Musik vom CD-Player oder gar einem Laptop.

Heute verzichten viele DJs auf schwere Plattenkoffer und legen mit dem Notebook auf. „Auch das bringen wir den Schülern bei“, sagt Hübscher. Die technische Ausstattung sei stets auf dem neusten Stand. Das bestätigt auch Standortverwalter Helmut Kwiczorowski. „Ich bin jedes Mal fasziniert, was die Schüler lernen“, sagt der 35-Jährige.

Wer als Star-DJ Top-Gagen im fünfstelligen Bereich pro Auftritt bekommen will, der muss mehr als nur die Technik beherrschen. Zudem gibt es zwei DJ-Gattungen – die elektronische Musik sowie Hip-Hop und R‘n‘B.

Ein Techno-DJ sorgt dafür, dass kaum ein Übergang zwischen den einzelnen Liedern zu hören ist, ein Hip-Hop-DJ erzeugt eher Effekte und manchmal auch richtige Brüche. „Man muss ein Gefühl dafür haben, welche Lieder zusammen passen. Außerdem spielt die eigene Persönlichkeit eine große Rolle. Am Anfang muss man viel Werbung für sich machen, um ins Gespräch zu kommen“, rät Hübscher. Nur so ergattert man als Anfänger die ersten Aufträge.

Dieses Ziel hat Tobias nicht. „Ich will nur Mixtapes für Freunde erstellen und ab und zu privat auflegen“, sagt der 24-Jährige. Dafür zahlt er 60 Euro im Monat.

Wer auch lernen will, aufzulegen, findet weitere Infos unter http://www.vibra.dj.

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