Ein Diskjockey aus Leidenschaft

"Bumm, bumm, bumm", tönt es aus Edmund Opitz. Dabei lässt er die Hand mit der geschlossenen Faust rhythmisch vor- und zurückschnellen. "Die jungen Leute wollen so was hören", ergänzt er, während aus den Lautsprechern seiner Stereoanlage Techno-Pop dröhnt.

In Sachen Musik macht dem 86-Jährigen so leicht niemand was vor. Er trifft nahezu jeden Geschmack. Sehr zur Freude der Besucher des alljährlichen Backhausfestes in Otzberg. Denn seit zwei Jahren legt er dort gekonnt Platten und CDs auf. "Denen war die Kapelle zu teuer", schmunzelt Opitz. Bereut haben das die Verantwortlichen des ausrichtenden Vereins für Land- und Denkmalpflege nicht. Ganz im Gegenteil: "Die haben mich bei einem Nachtreffen mit viel Applaus bedacht", erzählt er gerührt. Ihnen blieb auch kaum etwas anderes übrig, denn DJ Opitz hatte die Leute zum Tanzen gebracht.Selbst seine Frau hat mittlerweile ihren Frieden geschlossen. "Schämst du dich nicht, dich vor den jungen Leutâ?? zum Affen zu machen", hatte sie am Anfang noch kopfschüttelnd gesagt. "Man ist so alt, wie man sich fühlt", konterte er und behielt damit Recht. Dass Edmund Opitz der Mann für die richtige Musik ist, zeichnete sich schon in der Jugend ab. Damals, in den dreißiger Jahren auf Rügen. Der Heimat von Opitz. "Edmund, vergiss dein Koffergrammophon nicht", sagten seine Freunde, bevor es an den Strand ging. "Kann den Liebe Sünd sein?" oder "Küss mich, bitte, bitte küss mich" waren Lieder, die immer und immer wieder gespielt wurden. "So ein Koffergrammophon hatten nicht viele", erinnert sich Opitz an die unbeschwerte Jugendzeit.Aber dann kam der Krieg. Russland-Feldzug. Kriegsgefangenschaft. Irgendwie kam er schließlich nach Frankfurt, wo ein Onkel von ihm lebte. Der schickte Opitz aufs Land, denn dort gab es Arbeit und Essen. So landet er in Otzberg, wurde Landwirt, verliebte sich in Martha und heiratete sie. Fünf Kinder brachte sie zur Welt. Eine Tochter verunglückte mit 13 Jahren tödlich. Das war der erste Schicksalsschlag. Der zweite traf Edmund Opitz Stimme nach einem schlimmen Ärztefehler. Ein schädlicher Belag sollte vor 37 Jahren von den Stimmbändern weg gestrahlt werden. Doch dabei ging der Kehlkopf kaputt. Seither kann er nur noch mit Hilfe eines Apparates sprechen. Dies bedeutete Frührente. Trotz des Leids, die Liebe zur Musik blieb. Klaus Wunderlich, Peter Kraus, Captain Cook, Elvis Presley, Abba â?? Schlager, Evergreens, Rock, Ohrwürmer und Stimmungsmusik. Etwa 150 Schallplatten und mindestens genauso so viele CDs besitzt er. Blindlings werden die nicht aufgelegt. Opitz stellt sein Repertoire vorher zusammen, damit der Mix stimmt. Das Auftaktlied und sein musikalisches Erkennungszeichen ist allerdings immer das gleiche: der Fliegermarsch. Wenn der nächstes Jahr in Otzberg wieder ertönt, läuft Opitz zu musikalischen Höchstleistungen auf.

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