Dirigent Hans Schlaud

Der Herr der Stimmen hat Frankfurts größten Chor im Griff

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Dirigent Hans Schlaud.

Frankfurt – Er ist der ganze Stolz der Germania Sindlingen: Chorleiter Hans Schlaud. Der Mann ist nicht nur ein musikalisches Schwergewicht, das schon für Papst Johannes Paul II. eine Messe komponiert hat, sondern auch die gute Seele von Frankfurts größtem gewachsenen Chor.

Hans Schlaud ist verrückt nach Musik. Seit 1962 geht es bei ihm um die Leitung von Chören. Als Dirigent, als Komponist und als Planer. Besonders verbunden ist der professionelle Chorchef Frankfurts größtem gewachsenen Chor, der Germania Sindlingen.

Dort schwingt Schlaud seit 50 Jahren den Taktstock. Und hat die Männer um Vereinsvorsitzenden Jochen Dollase bestens im Griff. „Wenn Hans Schlaud mit dem Taktstock Anweisungen gibt, folgen knapp 60 Männer. Nicht nur musikalisch“, sagt Dollase augenzwinkernd. Denn die Mitglieder von Germania Sindlingen sind längst viel mehr als ein bloßer Chorverein. „Wir sind hier echte Freunde geworden“, sagt Dollase: „Und zwar durch alle Generationen hindurch.“

Auch, wenn Hans Schlaud nun schon zu den älteren gehört, die richtige Ansprache für jüngere Sänger hat er offenbar nicht verloren. „Für uns ist er der beste Chorleiter, den man sich vorstellen kann“, sagt der 28-jährige Simon Stappert. „Für ihn legen wir uns richtig ins Zeug, wenn es mal bei der Gesangsprobe klemmt.“

Schlaud selbst hat offenbar nicht vergessen, dass auch er mal jung war. 1962 stand er zum ersten Mal vor einem Chor. Als damals 17-jähriger Junge, musste er sich gegen viel ältere Sänger behaupten. Er schaffte das und wurde als Chorleiter eingestellt.

Ans Aufhören verschwendet er keinen Gedanken

Seit 1965 dirigierte er neben zahlreichen anderen Chören auch die Germania Sindlingen. Aus ehemals zwölf sind mittlerweile nur noch vier geworden.

Schlaud: „Mir langt das mittlerweile. Ich will da nicht übertreiben.“ Früher habe er jeden Abend in der Woche zwei Proben geleitet. Trotz dieser extremen Belastung habe er Zeit für Frau und Kinder gefunden. „Der Job hat einen kleinen Nachteil. Man ist abends weg. Aber auch einen großen Vorteil. Ich war den ganzen Tag zu Hause und konnte mich der Familie widmen.“

Mittlerweile ist Schlaud 70 Jahre alt. An Aufhören verschwendet der Mann aber nicht einen Gedanken. „Das ist ein Job, den man auch bis ins hohe Alter machen kann“, sagt Schlaud. Zumindest, wenn die Gesundheit mitspiele. Darauf hofft er.

„Ich höre erst auf, wenn ich den Taktstock nicht mehr halten kann“, sagt Schlaud schmunzelnd.

Dieser Artikel ist das Ergebnis eines Gewinnspiels zum Relaunch des EXTRA TIPPs. Die Germania Sindlingen hatte dem EXTRA TIPP damals per Video das schönste Ständchen gebracht und eine Doppelseite Berichterstattung über ihren Verein gewonnen. Diesen Gewinn haben die Sänger nun zu ihrem Festkonzert eingelöst.

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Denn daran, seine Germania-Sänger nicht mehr dirigieren zu können, will er gar nicht denken. „Ich bin mit vielen der Sänger älter geworden und kennen manche wirklich seit fünf Jahrzehnten“, sagt Schlaud. „Da ist es klar, dass sich da echte Freundschaften entwickelt haben.“

Besonders stolz ist Schlaud aber nicht etwas auf die an die hundert Erfolge bei Chorwettbewerben, die er mit der Germania erreicht hat. „Es ist die Tatsache, dass der Chor seit Beginn an auf dem gleichen hohen Niveau ist.“ Das sei in der heutigen Zeit alles andere als selbstverständlich. Er habe schon viele Chöre erlebt, die angesichts mangelnden Nachwuchses von einstmals 60 Sängern auf 20 geschrumpft sind. „Die Germania hingegen ist eher noch gewachsen“, sagt Schlaud und verrät sein Geheimnis: „Ich fordere meine Sänger bis zum äußersten.“ Die meisten wollen eine Herausforderung. „Und die geb ich ihnen.“

Festkonzert zu Ehren von Hans Schlaud

Seit 50 Jahren dirigiert Hans Schlaud den Männerchor der Germania Sindlingen. Das feiert der Verein mit einem großen Festkonzert zu Ehren seines langjährigen musikalischen Leiters. Los geht’s am Samstag, 13. Juni, im Bikuz (Bildungs- und Kulturzentrum, Gebeschuss/Ecke Michael-Stumpfstraße) in Frankfurt Höchst. Beginn ist um 19 Uhr.

Als Solistin haben die Sindlinger die Sopranistin Hanna Ramminger verpflichtet. Das Programm ist weitgefächert und in zwei Teilen angelegt. Der erste Teil wird bestimmt durch bekannte Stücke von Franz Schubert wie „Die Nacht, der Gondelfahrer“ und „Nächtliches Ständchen“. Von Guiseppe Verdi werden Arien aus Rigoletto, der Troubadur und Nabucco vorgetragen. Der zweite Teil ist den Liedern der Völker gewidmet, vertreten durch Weisen von Friedrich Silcher, Franz Lehar, Arnold Kempkens und Paul Zoll. Die Abendkasse ist ab 18 Uhr geöffnet. Karten fürs Konzert gibt es bei „Samen Schlereth“ in der Farbenstraße 42 in Frankfurt-Sindlingen

Auftritt zur Wiedervereinigungsfeier in Berlin

„Das ist für uns eine ganz große Ehre“, sagt Vereinsvorsitzender Jochen Dollase. Für ihn und seine Sängerkollegen stehen solche Auftritte in einer langen Tradition. „Wir haben uns schon immer darum bemüht, unseren Gesang auch weit über die Grenzen von Frankfurt hinaus zu tragen.“

Und dieses Ziel wollen die Sindlinger auch weiterhin verfolgen. So sind im Jahr 2015 weitere Auftritte geplant. Etwa die Teilnahme an der Sindlinger Veranstaltung „Musik uff de Gass“. Am 6. Juni treten die Sänger um 17.30 Uhr im Hof von Elektrobau Schmitt auf. Es folgen das Jubiläumskonzert „50 Jahre Hans Schlaudt“ am 13. Juni (siehe auch rechts) im Höchster Bikuz sowie zwei Freundschaftssingen in Saulheim und Peddersheim. Ab dem 3. Oktober finden in Frankfurt die Feierlichkeiten zum 25. Jahrestag der Wiedervereinigung statt. Im Rahmen dieses Bürgerfestes ist ein Auftritt auf einer der Hauptbühnen eingeplant.

Auch für 2016 gibt es schon die ersten Chor-Termine. Am 24. April geben die Sindlinger ein Konzert als Teil der Schlaudschen Chöre mit 200 Stimmen im Wiesbadener Kurhaus.Und für Oktober 2016 ist schon eine Sängerreise nach Berlin geplant, wo es am 3. Oktober einen Auftritt in der Hessischen Landesvertretung geben wird. Dabei will Dollase mit seiner Truppe seine „GermaniaDomTour“ weiterführen und einen Gottesdienst im Berliner Dom musikalisch gestalten. „Auf uns warten weiterhin viele spannende Auftritte“, sagt Dollase. Wer beim Sängerchor mitmachen möchte, meldet sich per Mail unter mcgermania.sindlingen@web.de. 

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