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Zu teuer: Filmklassiker werden vernichtet

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Frankfurt – Die Digitalisierung der Kinos ist nicht aufzuhalten und notwendig. Doch alte Filme können in digitalen Kinos gar nicht mehr abgespielt werden. Klassiker der Filmgeschichte werden deshalb sogar vernichtet. Von Angelika Pöppel 

Frankfurt – „Das internationale Filmerbe ist bedroht“, warnt Filmwissenschaftler Urs Spörri  vom Deutschen Filmmuseum  in Frankfurt. Sein Job ist es, alte Filmkopien aufzutreiben und den Museumsbesuchern so ein Stück Kultur näher zu bringen. „Doch das wird immer schwieriger“, sagt Spörri. Grund: Die Nachfrage von Kopien der großen Klassiker ist gering und sinkt weiter. Nur wenige Kinos können die 35-Millimeter-Filme  überhaupt noch abspielen, weil sie digital umgerüstet haben.

Filme aus vergangenen zehn bis 20 Jahren in Gefahr

Urs Spörri

„Über die Hälfte aller Kinos spielen ausschließlich digitale Filme“, sagt Thomas Worschech, Leiter des Filmarchives im Museum. Er betont: „Wenn sich niemand rechtzeitig um eine haltbare Kopie kümmert, gehen die Filme verloren.“ Dazu kommt, dass auch die Lagerung alter Aufnahmen aufwendig und kostspielig ist. Deshalb werden zahlreiche Filme für immer zerstört: „Beispiele gibt es wie Sand am Meer“ sagt Spörri. Auch Werke in der Originalfassung mit deutschem Untertitel von Federico Fellini, der als einer der wichtigsten Autorenfilmer des 20. Jahrhunderts gilt, sind komplett zerstört. Vor allem Filme aus den vergangenen zehn bis 20 Jahren seien nicht mehr aufzufinden. „Bisher wurden sie einfach nicht als bedeutsames Filmerbe wahrgenommen.“ Und es gibt auch Beispiele aus der Gegenwart: Der Polit-Thriller „The International“ aus dem Jahr 2009 wurde im aktuellen Format DCP (Digital Cinema Package) aufgezeichnet. „Es existiert lediglich eine Masterkopie in Schottland. Aber sie ist nicht zugänglich“, erklärt Filmwissenschaftler Spörri. Auch die Kopie auf einer Blu-Ray Disc hält er nicht für die richtige Lösung: „In der komprimierten Form leidet die Ton- und Bildqualität erheblich.“

Digitalisierung zu teuer

Er ist sicher: „Es ist der falsche Weg die großen Filmwerke zu vernichten!“ Stattdessen sollten die Kopien besser im Archiv des Deutschen Filmmuseums gelagert werden. Bereits 20.000 Kopien lagern in Wiesbaden. Doch warum werden die Werke nicht einfach digitalisiert? Das ist schlichtweg zu teuer. Die Digitalisierung nur eines Filmes koste bereits zwischen 40.000 und 50.000 Euro. Aber: „Die Digitalisierung ist die einzige Lösung“, sagt Archivleiter Worschech. Das Zeitfenster in dem das passieren müsse, sei begrenzt. Denn: „Irgendwann steht uns die Technik zum Abspielen gar nicht mehr zur Verfügung.“

Zumindest der Bundesverband kommunaler Filmarbeit (BkF) hat reagiert und empfiehlt seinen Mitgliedern – unabhängige, nichtgewerbliche Programmkinos – zu einem Hybridmodell. Statt komplett auf Digitalisierung zu setzten, um die neuesten Hollywoodstreifen zeigen zu können, sollen alte Projektoren erhalten bleiben. „Wir gehen davon aus, dass in einigen Jahren bis auf wenige gute Programmkinos nur noch unsere Mitglieder analoge Filme abspielen können“, sagt Geschäftssführer Fabian Schauren.

Kurator Spörri appelliert auch an die Macher: „Produzenten müssen in Zukunft nicht nur Filme drehen, sondern sich auch um ihr Überleben kümmern.“ Doch ob sie ihr Geld tatsächlich in die Erhaltung und Kopie eines alten Filmes stecken oder nicht lieber einen neuen produzieren, sei fraglich.

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