Experten warnen vor digitaler Demenz

Medienkonsum kann zu Lernschwierigkeiten führen

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Digitale Medien nehmen uns geistige Arbeit ab. Das kann vor allem bei Kindern und Jugendlichen massive Folgen nach sich ziehen.

Bad Homburg –Immer mehr technische Helfer nehmen uns das Denken und Erinnern ab. Das ist vor allem für Kinder und Jugendliche eine wachsende Gefahr. Experten warnen vor besorgniserregenden Folgen für das Lernen. Von Dirk Beutel 

Smartphones, Tablets und Navis sind tückische Helfer. Vor allem bei Kindern und Jugendlichen. Die Nummer des besten Freundes? Im Adressbuch nachsehen. Wie komme ich nochmal nach Heidelberg? Einfach ins Navigationsgerät eintippen. Das ist zwar praktisch, aber nicht ganz ungefährlich und kann zu besorgniserregenden Entwicklungen und zulasten der Lernfähigkeit führen. Manfred Spitzer, Psychiater, Psychologe und Hirnforscher an der Psychiatrischen Universitätsklinik in Ulm und Autor des Buches „Digitale Demenz“ warnt vor unkontrolliertem Konsum.

In einem Vortrag beleuchtet das Jugendbildungswerk Bad Homburg genau dieses Phänomen. Referent Dirk Springenberg: „Kinder und Jugendliche verbringen immer mehr Zeit mit Medien – oft scheint der Reiz der Medien keine Grenzen zu kennen und führt nicht selten zu problematischen Mediennutzungsverhalten. Manfred Spitzer geht soweit, dass er die Beschäftigung mit Medien als verlorene Zeit bezeichnet und auf die Gefahren von übermäßigen und frühzeitigen Medienkonsum hinweist.“

Konzentrationsschwächen Cyberbullying

Die Folgen für den Schulalltag: „In einzelnen Fällen kann das zu Konzentrationsschwächen und Lernverzögerungen führen“, sagt Springenberg. Doch nicht nur der generelle Konsum ist Thema des Vortrages, auch der Umgang mit persönlichen Daten soll angesprochen werden.

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Springenberg: „Das Phänomen Cyberbullying, also das Mobbing mit Hilfe neuer Medien, hat parallel zur verstärkten Nutzung virtueller sozialer Gemeinschaften zugenommen und wartet mit prekären Ausformungen auf, denen Pädagogen, Lehrer und Eltern oft hilflos gegenüberstehen.“ Daher plädiert Springenberg für einen kritischen und reflektierten Umgang mit digitalen Medien: „Medienkompetenz muss den verantwortlichen Umgang beinhalten. Besonders Lehrer und Pädagogen müssen den Einsatz von Medien im Unterricht oder pädagogischen Zusammenhängen gut begründen können und in ein Gesamtkonzept einbetten. Es ist nicht hilfreich, Kinder so früh wie möglich an die Medien heranzuführen.“

Info

Der Vortrag „Medienkonsum und digitale Demenz von Kindern und Jugendlichen“ beginnt am Mittwoch, 23. Juli, um 19 Uhr im Jugendgästehaus, Mühlweg 17. Referent ist Dirk Springenberg von der Alten Schule Anspach.

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