Kohle satt für Lokalpolitiker: Dietzenbacher Vereine sauer!

Dietzenbach - "Es gibt allein in Dietzenbach über 100 Vereine. Und da bekommt niemand auch nur einen Pfennig", ärgert sich der Vorsitzende des Dietzenbacher Heimatvereins, Werner Jünger. Er selbst war jahrelang Stadtverordnetenvorsteher und weiß, wovon er spricht.

"Wenn ich ein politisches Amt antrete, dann weiß ich doch vorher, auf was ich mich einlasse", argumentiert er. Dafür, dass jetzt im Nachhinein gejammert werde, habe er kein Verständnis. Er könne sich nicht vorstellen, wie man das ehrenamtlich tätigen Vereinsvertretern klar machen kann. "Es gibt Leute, die engagieren sich noch viel mehr als die meisten Lokalpolitiker und zahlen noch drauf."Je nach Kommune schwanken die so genannten Entschädigungszahlungen für Politiker. 7.70 Euro pro Sitzung werden in Otzberg fällig, Offenbach zahlt seinen Parlamentariern sogar eine monatliche Pauschale von rund 250 Euro und in Dietzenbach gibt´s bisher einen Traumlohn von 25 Euro pro Sitzung plus eine monatliche Zahlung von 30 Euro, wohlgemerkt ohne die geplante Gehaltserhöhung. Rechnet man sämtliche Fraktions-, Ausschuss- und Parlamentssitungen zusammen, kommen je nach Engagement der Politiker stolze Summen zusammen.

 Ein einfacher Überschlag führt das vor Augen. 150.000 Euro wollen die Dietzenbacher zukünftig als Aufwandsentschädigung pro Jahr im Haushalt einplanen. Geteilt durch Parlamentarier und Magistratsmitglieder ergibt sich ein stattlicher Obulus von ungefähr 250 Euro pro Monat. Nur von Rodgau wird die Kreisstadt noch getoppt. Dort ergibt dieselbe Rechnung Einkünfte von 318 Euro pro Monat."Das ist doch Wahnsinn. Und wir bekommen nicht mal einen Steuervorteil gewährt", sagt Bernd Fenchel, Vorsitzender des Steinberger Sportclubs in Dietzenbach. Es sei ja legitim, dass ein Ehrenamtlicher etwas für seine Arbeit bekomme. "Aber nur, wenn auch alle anderen Ehrenamtlichen dasselbe Geld bezahlt bekommen."

Stattdessen wälzten die Politiker Jahr für Jahr mehr Kosten auf die Vereine ab. "Und jetzt erhöhen sich eben diese Damen und Herren die Bezüge. Das ist doch ungerecht."Herberth Späth, Vorsitzender des Traditionsvereins Sportgemeinschaft, pflichtet ihm bei: "Es gehört sich einfach nicht, wenn man sich selbst eine Gehaltserhöhung gibt. Und das in diesen schlechten Zeiten." Alle drei sind sich einig: "Es ist einfach frustierend."Die Dietzenbacher Politiker sind sich wie zu erwarten einig. Die Erhöhung ist so gut wie beschlossen. Nur eine Dietzenbacher Partei hat offenbar die Zeichen der Zeit erkannt und nutzt dies auch geschickt aus, die Freien Wähler. Deren Magistratsmitglied Harald Fuchs weißt darauf hin: "Wir spenden seit Jahren einen großen Teil unserer Entschädigungszahlungen an verschiedene Dietzenbacher Jugendgruppierungen."

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