Wegen hygienischer Bestimmungen sind Haustiere oft tabu

Auf dieser Palliativstation darf Kater Timmi trösten

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In vielen Krankenhäusern wegen der Hygiene ein Tabu: Haustiere im Krankenzimmer. Nicht so auf der Palliativstation in Offenbach. Dort darf Norbert König mit Kater Timmi schmusen.

Region Rhein-Main – In vielen Krankenhäusern sind Haustiere aus hygienischen Gründen nicht gerne gesehen. Dass in einigen Klinken im Rhein-Main-Gebiet Hunde und Katzen aber dennoch zu Besuch kommen dürfen, ist unter einigen Experten deshalb umstritten. Von Dirk Beutel

Lesen Sie dazu den Kommentar: „Tiere steigern die Lebensqualität

Timmi ist ein Seelentröster. Ein echt tierischer Therapeut. Wenn der Kater miaut, schnurrt, sich mit seinen Sanftpfötchen dem Bauch von Norbert König nähert und dort zusammenrollt, gibt das dem 60-Jährigen Offenbacher ein richtig gutes Gefühl.
Ein kleines Stück von zu Hause. Denn König liegt seit etwa einer Woche auf der Palliativstation im Offenbacher Sana-Klinikum. Ein Tumor wurde vergangenen Dezember aus seinem Kopf heraus operiert.

Timmi wurde als Jungtier gerettet

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Danach wurde König nach zwei Wochen entlassen, weil er sich körperlich und mental schnell von den Strapazen erholte. „Doch zu Hause bin ich gestürzt. Mein Arzt hat mich dann auf die Palliativstation eingewiesen.“ sagt König. Seitdem liegt er in einem Einzelzimmer im Offenbacher Klinikum, wo er rund um die Uhr beobachtet werden und zu seiner Bestrahlung gehen kann.
Seine Frau Petra besucht ihn jeden Tag. Fast immer dabei ist Kater Timmi, den Norbert König als Jungtier auf seiner Arbeitsstelle entdeckt hat. Alleine und ausgehungert. „Ich habe ihn mit nach Hause genommen und versorgt“, sagt König, der schon als Kind ständig von Tieren, vor allem von Katzen, umgeben war. Davon hat er gleich zwei: Timmi und Katzen-Kollege Mogli, den König auch gefunden hat. Dass die Katzen aber ihr Herrchen auch auf der Klinikstation besuchen dürfen, ist unter Experten umstritten.

Tiere sind in der Regel in Klinken tabu

In der Regel sind in Krankenhäusern Haustiere nämlich tabu. Aus hygienischen Gründen. So wie im Klinikum Frankfurt-Höchst: „Haustiere sind bei uns gar nicht gestattet, selbst auf dem Gelände nicht“, sagt Sprecherin Petra Fleischer. Auch die Hygieniker in der Akutklinik der Main-Taunus-Kliniken halten Tiere dort für problematisch. Anders aber bei einer psychiatrischen und psychotherapeutischen Behandlung: „Dann können Patienten unserer Fachklinik Hofheim nach Absprache ihre Haustiere zum stationären Aufenthalt mitbringen“, sagt Sprecherin Claudia Planz.

Und auch in der Frankfurter Universitätsklinik steht man Haustierbesuchen offen gegenüber. Dort gibt es einen separaten Zugang und Lastenaufzug auf der Station, der als alleiniger Zugangsweg für Haustiere genutzt werden kann. Aber: Das Tier ist dort nur in Einzelzimmern erlaubt und muss dort bleiben. Außerdem muss jeder, der mit dem Tier in Berührung war, seine Hände waschen und desinfizieren. Und: „Alle notwendigen Impfungen des Haustieres müssen vom Tierarzt erledigt sein. Hund und Katze sind zuvor zu bürsten, und die Pfoten des Tieres müssen vor dem Betreten des Personalaufzuges gesäubert und getrocknet werden“, sagt Uniklinik-Sprecherin Ricarda Wessinghage.

Alleine die Anwesenheit eines Tieres wirkt positiv

Und eben auch in Offenbach dürfen Tiere wie Kater Timmi unter Auflagen ihre Menschen besuchen. „Haustiere sind gut für die Seele von Kranken. Es ist nachgewiesen, dass allein die reine Anwesenheit, das Streicheln oder die Berührung eines geliebten Tieres helfen können, sich zu beruhigen oder zu entspannen“, sagt Marion Band, Sprecherin des Offenbacher Sana-Klinikums. „Wenn die Palliativstation aber in eine Akutklinik integriert ist, sieht die Sache aber leider schon wieder ganz anders aus“, sagt Peter Walger, Sprecher der Deutschen Gesellschaft für Krankenhaushygiene: „Es sollten unter Berücksichtigung der lokalen Gegebenheiten, wenn überhaupt nur Hunde erlaubt sein, die sollten zumindest auf MRSA getestet sein.“

Für Norbert König und Timmi ist der offene Umgang mit Haustieren in jeder Hinsicht ein Glücksfall: „Alleine sein Gesicht zu sehen, beruhigt mich schon und gibt mir Kraft, dass ich bald wieder nach Hause komme.“

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