Vegetarier verarbeitet Schlachtreste weiter

Dieser Metzger aus Offenbach hackt für Hunde

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Andreas Steiger muss mit seinem Metzger-Beil kräftig zuhauen, um die Rinder-Rippen zu trennen.
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Offenbach - In einem Offenbacher Hinterhof sind Hundenasen im Himmel. Dort verarbeitet Andreas Steiger Schlachtreste zu Hundefutter – und ist ein Geheimtipp für alle Hundehalter, die ihre Tiere nur mit Rohfleisch ernähren wollen – auch, wenn er selbst Vegetarier ist. Von Christian Reinartz

Tiernahrung Steiger braucht kein großes Hinweisschild. Das Sprichwort „immer der Nase nach“ funktioniert bei dieser Offenbacher Hinterhoffirma tatsächlich. Es ist eine Mischung, die irgendwie an Affenhaus und Tigerkäfig erinnert. Und doch sind es nur Rinder, deren Fleisch für den strengen Geruch zuständig ist. Der dringt durch milchig-weiße Plastiklamellen. Die trennen Steigers Metzger-Räume vom Laden ab. Als Steiger den Vorhang zur Seite schlägt, kommt der Geruch wie eine Faust. Ein Blick genügt: Überall liegt rohes Fleisch in grünen Plastikwannen. Darauf der Hinweis „Nicht zum menschlichen Verzehr“. Rippen, Gurgeln, Backen, Lefzen, Luftröhren, Innereien, kleingehäckselt, am Stück, püriert – die Liste, was Hunde lieben, ist lang und blutig. Steiger stellt klar: „Hier riecht nicht das Fleisch, sondern der Pansen.“ Er deutet auf eine Art Kleiderständer, an dem zahlreiche Kuhmägen hängen. Jeder einzelne ist 1,20 Meter lang und über 15 Kilo schwer. „Das ist die wichtigste Zutat unseres Hundefutters“, sagt Steiger und fährt über die Lamellen, in denen noch das halbverdaute Heu hängt, dass die Kuh vor ihrer Schlachtung gefressen hatte.

Blutige Einblicke in die Arbeit des Hundemetzgers aus Offenbach

Rohfleisch ist für Hunde das Tollste überhaupt

„Genau diese Mischung brauchen wir“, sagt Steiger. „Die ist durch nichts zu ersetzen.“ Also finden sich Steiger, seine vier Angestellten und auch die zahlreichen Kunden mit dem penetranten Geruch ab. Denn ein netter Nebeneffekt ist, dass die Hunde nach dem Pansenverzehr selbst viel weniger stinken, wenn sie etwa nass geworden sind. „Aber ich muss jeden Abend meine Klamotten sprichwörtlich entsorgen“, sagt Steiger. „Den Geruch kriegt man erstmal nicht wieder raus.“ Er berichtet von Hunden, die ihm beim Gang zur Post nachlaufen und sich um ihn scharen. Ein Beweis dafür, dass Steiger mit seinem Rohfleisch-Hundefutter offenbar goldrichtig liegt. „Für Hunde ist das Rohfleischfüttern das Tollste überhaupt“, sagt der Fachmann. Er wisse zwar, dass es viele Tierärzte gebe, die zu Trockenfutter und hochwertigem Dosenfutter rieten. „Aber die natürliche Nahrung eines Hundes ist nunmal Fleisch“, erklärt Steiger. „Dafür ist sein Magen ausgelegt."

"Nicht ein Gramm Chemie drin"

Und der Pansen liefert darüber hinaus sämtliche pflanzlichen Anteile, die unsere Haustiere benötigen.“ Dazu kommt: „Da ist nicht ein Gramm Chemie drin. Weder Konservierungsstoffe, noch Farb- oder Lockstoffe mische ich bei“, verspricht Steiger. „Gesünder kann ein Hund nicht fessen.“ Das Fleisch bezieht die Offenbacher Firma von Schlachthöfen in Bayern und einem in Mühlheim. Steiger: „Diese Reste werden sonst entsorgt. Wir nutzen sie noch sinnvoll.“ Der gelernte Chemielaborant selbst ist seit vielen Jahren Vegetarier, hätte sich nie träumen lassen, mal für Hunde zu metzgern. Heute bezeichnet er den Entschluss, die Metzgerei von seinem Schwiegervater zu übernehmen, als „beste berufliche Entscheidung meines Lebens“. Auch, wenn es mich wirklich Überwindung gekostet hat, das erste Mal in einen Pansen zu greifen.“

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Christian Reinartz

Christian Reinartz

E-Mail:christian.reinartz@extratipp.com

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